Erstmals wieder Fans im Stadion

Hansa Rostock prescht mit Genehmigung der Politik vor - erstmals seit knapp fünf Monaten durften Zuschauer in ein Fußballstadion.

Wenn Traineranweisungen im Jubel der Zuschauer untergehen, kommt Nostalgie auf in deutschen Fußballstadien. Den 1:0-Sieg von Hansa Rostock in der 3. Liga gegen den Halleschen FC hatten am Samstag 702 Zuschauer auf den Rängen verfolgt. Es war die erste Fangemeinde in einer deutschen Arena seit fast fünf Monaten. »Es war ein unfassbar schöner Moment, wieder vor Zuschauern jubeln zu können«, sagte Torschütze John Verhoek. Hansa-Trainer Jens Härtel wusste nicht, ob er sich zuerst über den sechsten Sieg in Serie und elften Erfolg in den vergangenen 13 Spielen seines Teams freuen sollte - oder über die Rückkehr der Fans.

»Wenn die Hymne gespielt wird und alle mitsingen, ist das etwas anderes, als es in den letzten Monaten der Fall war« sagte der Coach des Tabellenzweiten in der ARD-»Sportschau« gerührt. »Wenn die Fans dich pushen, ist das einfach überragend.« Der Drittligist hatte mit Genehmigung des zuständigen Gesundheitsamtes und der Landesregierung das Pilotprojekt Zuschauerrückkehr gestartet, auf das die meisten Profivereine in Deutschland gebannt schauten - auch der DFB, der mit einem Beobachter vor Ort war.

Für Rostocks umtriebigen Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen soll der Testlauf eine erste Antwort auf die Fragen liefern: »Wie kriegen wir ein Leben hin mit Corona?« Der parteilose Däne, dessen Wirken als beispielhaft für einen erfolgreichen Weg durch die Pandemie gewürdigt wird, meinte: »Es ist wichtig in der Pandemie dieses Zeichen zu setzen.« Mit einer Inzidenz am Samstag von 22 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen einer Woche hat die Hansestadt mit ihren rund 210 000 Einwohnern eine Leuchtturmfunktion inne. Bundesweit schrammte die Zahl zum gleichen Zeitpunkt die 100er-Marke.

Erste Ergebnisse liegen vor, tiefgründig soll der Feldversuch in den nächsten Tagen analysiert werden. »Wir werden an Landesregierung und Stadt unsere Ergebnisse liefern, und dann werden wir in der nächsten Woche noch mal zusammenkommen«, sagte der Vorstandsvorsitzende Robert Marien und betonte: »Man hätte heute mit der Infrastruktur locker 1500 Leute reingekriegt.« Selbst jene 3000, die Oberbürgermeister Madsen vorschweben, sind laut Marien kein Problem.

Die Schnelltests in den angelegten Teststraßen und Fan-Shops verliefen reibungslos und »sehr gesittet«, wie Madsen sagte. Es gab bei 1100 Tests, zu denen auch Stadion- und Vereinsmitarbeiter, Caterer, Sicherheitskräfte und Medienvertreter herangezogen wurden, kein positives Ergebnis. Jedoch waren nicht alle möglichen Rostocker Dauerkartenbesitzer aus zuvor festgelegten Stadionbereichen gekommen. Rund 777 - so die werbewirksame, weil historisch belegte Rostocker Zahl sieben - hätten es sein können. Einige hatten vermutlich Testmühen und Gesundheitsrisiken gescheut.

Vielleicht spielen die Hansa-Erfahrungen eine Rolle bei der Ministerpräsidenten-Konferenz am Montag. Dort soll es auch um Lockerungen in Tourismus, Kultur und Sport gehen. Bei den seit Tagen steigenden Inzidenzen wird vermutlich nicht die Besucherrückkehr in Stadien und Theatern losbrechen können. Aber Schnelltests können sich als sinnvolle Mittel erweisen, um ein Stück Normalität zurück in den Corona-Alltag zu holen. Das nächste Hansa-Heimspiel findet am 10. April statt. Noch weist nichts darauf hin, dass erneut Zuschauer auf den Tribünen sitzen werden. dpa/nd

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