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Für Bücklinge nicht zu haben

Karlen Vesper freut die Courage wider die Hohenzollern

  • Von Karlen Vesper
  • Lesedauer: 2 Min.
Georg Friedrich von Preußen
Georg Friedrich von Preußen

Endlich. Das Berliner Abgeordnetenhaus drängt jetzt auf eine gerichtliche Klärung im Streit mit den raffgierigen Hohenzollern. Der Senat ist per Parlamentsbeschluss explizit aufgefordert, »das öffentliche Interesse und Eigentum an diesem strittigen Kulturerbe zu verteidigen«.

Dass die AfD schäumte, man habe damit in die »kommunistische Mottenkiste gegriffen, um antiaristokratische Ressentiments zu schüren«, überrascht nicht. Antikommunismus und Demokratieaversion dieser Partei sind sattsam bekannt. Da wird geflissentlich ignoriert, dass Zehntausende Berliner und Brandenburger in Petitionen jüngst für die entschädigungslose Enteignung der Aristokraten votierten, ergo die hauptstädtische Koalition Volkes Willen folgt. Und dass der »Volksvertreter« der CDU von einer »Haltungskampagne« tönte, verdient nur höhnisches Gelächter.

Haltung - Synonym für Würde - lassen gerade etliche seiner Unionskollegen vermissen, die einer Selbstbedienungsmentalität frönten, die jener der unverschämten dreisten Sprösslinge der vor 100 Jahren gestürzten, leider von der ersten deutschen Demokratie entschädigten Dynastie kaum nachsteht.

Georg Friedrich, der sich immer noch anmaßend wie antiquiert »Prinz von Preußen« nennt und auf einen außergerichtlichen Vergleich mit der öffentlichen Hand gehofft hatte, beteuerte erneut, »bedeutende Kulturgüter für die Öffentlichkeit zu erhalten«. Schönen Dank auch, blaublütige Eitelkeit! Almosen benötigen wir nicht. Für Bücklinge, Katzbuckeln sind die Berliner nicht zu haben. Bleibt abzuwarten, ob die Brandenburger es den Hauptstädtern gleichtun. Und ob deutsche Richter couragiert genug sind.

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