Werbung

Ein Tor für die Familie

Mit dem 1:1 gegen Niederlande behalten die deutschen Fußballer ihr Ziel bei der U21-EM im Auge

  • Von Erik Roos, Szekesfehervar
  • Lesedauer: 3 Min.

Als Pechvogel Finn Dahmen nach Mitternacht lächelnd in seine Geburtstagstorte biss, war die Welt der deutschen U21-Nationalmannschaft wieder in Ordnung. Der mit Feuerwerk garnierte Schokoladenkuchen, vor allem aber Torgarant Lukas Nmecha retteten Torhüter Dahmen und dem gesamten Team von Stefan Kuntz die EM-Laune in Ungarn. Auch das schief gesungene Ständchen für den Jubilar konnte daran nichts ändern.

»Das Tor war für Finn, wir wollten es für ihn schießen. Wir sind eine Familie«, sagte Nmecha, der beim 1:1 (0:0) gegen die Niederlande sehr spät den so wichtigen Ausgleich in Szekesfehervar erzielt hatte. Schon nach dem Schlusspfiff hatte das DFB-Team einen Kreis um den Unglücksraben Dahmen gebildet, der an seinem 23. Geburtstag mit einem bösen Patzer das 0:1 eingeleitet hatte.

Der Schlussmann des 1. FSV Mainz 05, der in seiner Karriere erst ein Bundesligaspiel absolviert hat, vertändelte nach einem Einwurf leichtfertig den Ball. Der Leipziger Justin Kluivert sagte Danke und traf für die Niederländer in der 48. Minute zur Führung. Trainer Kuntz kündigte später dennoch an, seinen Keeper nun »nicht vom Platz jagen« zu wollen: »Wir haben immer gesagt, dass die Jungs Fehler machen dürfen.«

Dahmen wirkte dennoch geknickt - und wurde prompt aufgemuntert. »Wenn es einem nicht so gut geht, holen wir ihn ab«, sagte Nmecha, der in der 84. Minute mit seinem zweiten Turniertor erneut seine Topform unter Beweis stellte. Der Stürmer des RSC Anderlecht, schon in der Qualifikation mit sieben Treffern bester Deutscher, wird immer mehr zur Lebensversicherung des Teams. Dabei hatte der in Hamburg geborene Nmecha einst für England gespielt und im Finale der U19-EM 2017 sogar das Siegtor erzielt.

Kuntz, der Nmecha 2018 von einem Wechsel zum DFB überzeugt hatte, war ebenfalls erleichtert. Weil nun am kommenden Dienstag im letzten Gruppenspiel gegen Rumänien ein Remis reicht, ist das als Ziel ausgegebene Viertelfinale zum Greifen nahe. »Das war ein unglaublich tolles Kampfspiel. Zum Schluss haben wir verdient den Punkt geholt«, sagte der DFB-Trainer.

Schlussmann Dahmen wird wohl auch gegen die Rumänen den Vorzug gegenüber dem Leverkusener Lennart Grill und Markus Schubert aus Frankfurt erhalten, das deutete Kuntz an. »Beim Torhüter ist es leider so, dass ein Fehler meistens ein Gegentor ist. Manchmal hilft es, wenn man in den Arm genommen wird.« Spätestens nach der Torte werde Dahmen wieder »in den blauen Himmel gucken« können. Auch Stürmer Florian Krüger war sich sicher, dass Dahmen »mit einem Lächeln ins Bett gegangen« ist. Zumal das Ständchen so schlecht nun auch wieder nicht gewesen sei: »Wenn uns jemand buchen möchte, kann er gerne anrufen.«SID/nd

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung