Zahlen & Fakten

Behinderte wurden in der Krise vergessen

Der evangelische Theologe Christoph Künkel kritisiert, dass Menschen mit Handicap vor allem in den ersten Monaten der Corona-Krise nicht beachtet wurden. »Sie sind in den Erlassen, Verlautbarungen und Verordnungen schlicht nicht vorgekommen oder aber sie wurden gleichgestellt mit Altenheimbewohnern.« Künkel fürchtet, dass sämtliche Inklusionsbemühungen um Jahre zurückgeworfen werden.

Behinderte seien in ihren Wohnheimen regelrecht eingeschlossen worden, als die Altenheime geschlossen wurden, sagte der frühere Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen. Viele Werkstätten seien geschlossen gewesen. Mittlerweile sei die Situation zwar besser und die Beschäftigten dürften wieder arbeiten. Aber 30 Prozent seien nicht an ihre Arbeitsplätze zurückgekehrt. Sie müssten nun erneut in oft langwierigen Prozessen an die Arbeit herangeführt werden. Immerhin seien einige Beschlüsse von der Politik korrigiert worden, sagte Künkel, der im vergangenen Jahr mit weiteren Persönlichkeiten eine Ethik-Initiative gegründet hat, um die Politik in der Corona-Zeit zu beraten. So würden die meisten Menschen mit Handicap nun in der zweiten Risikogruppe geimpft. Zudem solle es Einzelfall-Entscheidungen geben. Er hoffe, dass dies auch tatsächlich umgesetzt werde.

Jeder zehnte Betrieb will weniger Azubis einstellen

Jeder zehnte Ausbildungsbetrieb plant einer Studie zufolge, sein Angebot im Ausbildungsjahr 2021/2022 einzuschränken oder ganz darauf zu verzichten. Bei Betrieben, die stark von der Pandemie betroffen sind, ist der Anteil mit einem Viertel noch höher, wie aus einer Untersuchung des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hervorgeht. Im Gastgewerbe sind es 28 Prozent der ausbildungsberechtigten Betriebe.

Unterschiede zeigen sich in der Studie nach Betriebsgröße. So geben 14 Prozent der ausbildungsberechtigten Kleinstbetriebe an, im kommenden Ausbildungsjahr weniger Auszubildende einzustellen. Bei Großbetrieben sind es dagegen nur sechs Prozent der Betriebe, die weniger Lehrstellen besetzen wollen. Als Grund dafür nennt mit 93 Prozent ein Großteil der Betriebe, die ihr Ausbildungsplatzangebot zurückfahren oder ganz einstellen wollen, die unsicheren Geschäftserwartungen durch die Covid-19-Pandemie.

Finanzielle Gründe geben 71 Prozent der Betriebe an. 34 Prozent nennen außerdem mangelnde räumliche und personelle Kapazitäten als Ursache für das eingeschränkte Ausbildungsangebot. Weitere 33 Prozent geben an, dass die Rekrutierung von Auszubildenden derzeit schwierig sei, unter anderem weil krisenbedingt keine Ausbildungsmessen oder Praktika stattfinden könnten.

Trotz Vollbeschäftigung droht Grundsicherung

Selbst nach 45 Jahren Vollbeschäftigung droht fast drei Millionen Menschen eine Rente auf Grundsicherungsniveau. Im Jahr 2019 habe es insgesamt rund 2,9 Millionen sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte mit einem Entgelt unterhalb des Schwellenwertes von monatlich 2050 Euro gegeben, erklärte das Bundesarbeitsministerium auf Anfrage der Linksfraktion. Es berief sich auf Daten der Bundesagentur für Arbeit.

Das Arbeitsministerium verwies darauf, dass sich »Aussagen zum Einkommen der Beschäftigten über die gesamte Erwerbskarriere hinweg« auf Basis der vorliegenden Zahlen jedoch nicht treffen ließen. Es könne also sein, dass ein Teil der genannten 2,9 Millionen Beschäftigten künftig mehr verdienen würde. Dank der zum 1. Januar 2021 in Kraft getretenen Regelungen des Grundrentengesetzes sei »allerdings grundsätzlich gewährleistet, dass nach den der Fragestellung zugrundeliegenden 45 Jahren Vollbeschäftigung ein Alterseinkommen oberhalb des durchschnittlichen Grundsicherungsbedarfs zur Verfügung steht«, betonte das Ministerium. Agenturen/nd

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