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Wie erkennen Sparer unseriöse Angebote?

Nach dem Greensill-bank-Skandal

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 4 Min.

Sparer und Kommunen in Deutschland haben rund eine Milliarde Euro bei der Greensill Bank in Bremen angelegt. Doch nicht alle diese Gelder sind durch die deutsche Einlagensicherung abgedeckt. Selbst wenn, so kann es lange dauern, bis Sparer ihre Einlagensumme zurückerhalten. Außerdem dürften die Zinsen, zumindest teilweise, verloren sein (siehe nd-Ratgeber vom 24. März 2021).

Der Absturz der Greensill Bank und die Insolvenzeröffnung im März 2021 haben gezeigt, dass sich Verbraucher lieber nicht blind auf die Finanzaufsicht Bafin verlassen dürfen. »Wer geglaubt haben sollte«, sagte Professor Rudolf Hickel, »nach der internationalen Finanzmarktkrise 2008/2009 seien durch wirksame staatliche Regulierungen und Kontrolle die Finanzmärkte gegen hochriskante Geschäftsmodelle mit gezielter Intransparenz und Bilanzmanipulationen gestoppt worden, sieht sich eines Schlechteren belehrt.« Von der Öffentlichkeit kaum bemerkt, konnte Greensill ein großes Rad innerhalb eines weltweit agierenden Finanzkonglomerats mehr oder weniger unter dem Radar der Regulierung und der Finanzmarktaufsicht betreiben.

Doch wie können sich Verbraucher vor solchen Angeboten schützen? Wenn sie Geld anlegen wollen, stehen ihnen viele verschiedene Möglichkeiten offen. »Doch nicht alle Anbieter sind seriös«, warnt die Verbraucherzentrale Bremen. Die Experten haben eine Reihe von Tipps zusammengestellt, die auf eine zweifelhafte Geldanlage hindeuten.

Ganz wichtig: Legen Sie Ihr Geld nie bei einer Firma oder Institution an, die sich unaufgefordert bei Ihnen telefonisch gemeldet hat. Kein seriöser Anbieter von Finanzdienstleistungen wird unaufgefordert telefonisch Kontakt mit Ihnen aufnehmen. Das ist wettbewerbsrechtlich grundsätzlich nicht zulässig. Auch wenn der Anbieter Verwandte oder Bekannte als Referenz nennt, ist das noch kein Beleg für die Seriosität der Geldanlage. Häufig werden nichtsahnende, bereits selbst zum Opfer gewordene Kunden benutzt, um an neue Anleger heranzukommen.

»Blendende« Traumrenditen

Lassen Sie sich nicht durch versprochene Traumrenditen blenden. Angesichts der jahrelangen Niedrigzinsphase sollten ab 3 Prozent Zinsen bei Ihnen die Alarmglocken schrillen. Je höher die Rendite, desto höher ist in der Regel auch das Risiko! Zur Orientierung bietet sich zum Beispiel die Verzinsung von Tagesgeldkonten an (Sie finden sie im Internet oder können bei der Bank oder Sparkasse erfragt werden).

Traumrenditen bieten Zinsvergleichsportale wie Weltsparen und Zinspilot nicht, hinter denen die Startups Raisin aus Berlin und Deposit Solutions aus Hamburg stehen. Sie trugen aber erheblich dazu bei, Greensill mit Geld von Sparern zu füttern, die sich einen Zinsvorteil von etwa 0,2 Prozent versprachen. Gelder kamen nach Medienberichten auch über allgemeine Vergleichsportale wie Check 24 herein. Selbst solche kleinen Renditevorteile erkaufen sich Sparer - wie nun der Fall Greensill erneut zeigt - mit einem erhöhten Risiko.

Warum sonst sollte eine Bank mehr Zinsen zahlen als »der Markt«? Auf dem freien Markt tummeln sich Dilettanten und Ganoven. Verlangen Sie deshalb aussagefähige Informationen über die bisherige Tätigkeit des Anbieters. Auch professionell klingende Berufsbezeichnungen wie »Finanzvermittler« oder »Vermögensberater« sind mit Vorsicht zu genießen. Jeder Laie kann sich so nennen, weil diese Berufsbezeichnungen nicht geschützt sind.

Nicht unter Zeitdruck setzen

Anlageentscheidungen sollten immer in Ruhe überlegt werden. »Bei unseriösen Angeboten gibt es eigentlich nur einen, der unter Zeitdruck steht: der Anbieter«, so die Verbraucherzentrale Bremen. Er muss aus einem Kunden möglichst viel Geld in möglichst kurzer Zeit herauspressen. Wenn der Kunde erst einmal merkt, dass er über den Tisch gezogen wird, versiegt die Geldquelle schnell.

Einschlägige Informationen finden Sie im Magazin der Stiftung Warentest »Finanztest« oder bei einer Verbraucherzentrale bundesweit. Und auch ein Blick auf die Internetseite der Finanzaufsicht Bafin kann sich lohnen. Dort finden Sie Warnungen und Meldungen für Verbraucher. Darüber hinaus stehen Ihnen weitere Datenbanken zur Verfügung, beispielsweise für die Suche nach Fonds oder Prospekten.

Eine Checkliste zur Vorbereitung auf ein Beratungsgespräch finden Sie auf der Internetseite der Verbraucherschützer (www.verbraucherzentrale-bremen.de). Diese überaus hilfreiche Checkliste erfüllt ihren Zweck auch, wenn Sie mit seriösen Bank oder Sparkassen verhandeln.

Noch eine Anmerkung: Sie haben sich bereits so richtig über Angebote per Telefon geärgert? Ihre Bank oder Sparkasse hat Ihren Sparvertrag gekündigt? Ein Vermögensberater hat Sie übers Ohr gehauen? Für solche Fälle hält die Verbraucherzentrale Bremen auf ihrer Internetseite noch eine Beschwerde-Box bereit. Dort können Sie sich revanchieren.

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