Warum ist kein Blei im Bleistift?

Dr. Schmidt erklärt die Welt

  • Von Christof Meueler
  • Lesedauer: 3 Min.
Warum ist kein Blei im Bleistift?

Leider haben wir vergessen, den Internationalen Tag des Bleistifts zu feiern. Der war am 30. März. Benutzt du noch Bleistifte?

Muss man ja, hin und wieder. Wenn man Löcher in die Wand bohren will, ist es sinnvoll, dies mit einem Bleistift an der Wand zu markieren.

Aber warum kein Kuli?

Bleistift kannst du abradieren. Stifte, mit denen man zeichnen konnte, gibt es schon länger. Leo-nardo und Dürer haben mit einem Silberstift skizziert. Da war, anders als beim Bleistift, tatsächlich ein Silberdraht drin. Aber das ist nicht ganz die billige Methode.

Heißt das, im Bleistift ist kein Blei?

Kein bisschen. Der Bleistift basiert im Wesentlichen auf Graphit, also Kohlenstoff. Weil der grau war, haben es Leute als Blei bezeichnet. Gäbe es nicht schon Kohlestifte, sollten Bleistifte besser Kohlestifte heißen.

Wie kommt Graphit in den Bleistift?

Im 15. Jahrhundert wurden in England Graphitvorkommen entdeckt. Dann kam jemand darauf, kleine Stückchen in Papier einzuwickeln und zum Zeichnen zu nehmen. Ein Handwerker fand es noch besser, das Graphit rund zu machen und in Holz einzukleiden.

Was ist mit dem Radiergummi?

Der kam später. 1858 gab es ein amerikanisches Patent für den Bleistift mit dem Radiergummi. Das reine Graphit ließ sich sogar mit Brot wegradieren.

Aber das Beste am Bleistift ist doch nicht das Radieren, sondern das Anspitzenkönnen?

Man darf die Dinger nur nicht runterschmeißen, denn dann bricht innen die Mine, und du hast beim Anspitzen nur Gebröckel. Die Mine ist recht spröde, denn das Graphit im Bleistift ist mit Ton vermischt.

Warum?

Weil bei einem der vielen englisch-französischen Kriege offenbar den Franzosen die Bleistifte ausgingen. Die bekamen das Graphit damals vor allem aus England. Und da hatte dann jemand die geniale Idee, den raren Rohstoff zu strecken, indem man Ton untermischt. Die heutigen Bleistifte basieren alle auf dieser Rezeptur. Ihre Härtegrade hängen im Wesentlichen davon ab, wie viel von dieser Tonbeimischung in der Mine steckt. Je mehr davon, desto härter sind sie.

Man sollte nur nicht an den Stiften rumkauen, dann blättert der Lack ab - unangenehm. Und das Holz wird feucht. So war das bei mir in der Schule.

Ich erinnere mich auch an so einen Geschmack. Das ist der Lack. Der war in seiner chemischen Zusammensetzung wahrscheinlich wesentlich unerfreulicher als der ganze Rest vom Stift. Obwohl die Lackzusammensetzung heute sicher auch bekömmlicher sein wird.

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