Ein Problem erfinden, um die Lösung zu verkaufen

Die Menstruation kann lästig sein. Noch lästiger aber sind weiße Cis-Dudes, die pinke Einweghandschuhe zur »diskreten« Entsorgung von Periodenprodukten erfinden, meint Julia Trippo

  • Von Julia Trippo
  • Lesedauer: 3 Min.
Eugen Raimkulow (l.) und Andre Ritterwürden präsentieren
Eugen Raimkulow (l.) und Andre Ritterwürden präsentieren "Pinky" in der Show "Die Höhle der Löwen" bei TV-Now

Im Internet rumort es. Grund dafür ist die Periode, mal wieder. Konkret geht es um die Show »Die Höhle der Löwen« in zwei Männer ihr Start-up Pinky und ein angeblich innovatives neues Produkt vorstellten. Und genau dafür hagelte es einen riesengroßen Shitstorm.

Konkret geht es um einen Plastikhandschuh. Gegenüber anderen handelsüblichen Tüten oder Beuteln biete »Pinky« den Vorteil, dass die Verbraucherin den Intimbereich nicht mit den bloßen Händen berühren müsse und so Entnahme und Entsorgung des Tampons in einem einzigen Vorgang möglich sei, erklärten die Gründer gegenüber der Webseite Stylebook. Diese »diskrete Lösung«, mit der sich Frauen endlich »fresh und clean« fühlen können, kostet knapp 12 Euro für 48 Handschuhe.

Das Problem daran ist, dass »Erfindungen« wie diese und der Diskurs drumherum suggerieren, dass die Periode etwas Unreines und Unhygienisches ist, etwas für das man sich schämen muss. Ein Stigma mit dem Menstruierende seit Jahrzehnten zu kämpfen haben. Nach der sehr lauten und erzürnten Kritik gaben die beiden Gründer André und Eugen, »Frauenversteher« wie sie sich nennen, ein Statement auf Instagram ab. Sie wollten auf gar keinen Fall den Eindruck erwecken, dass die Menstruation etwas Ekelhaftes sei. »Selbstverständlich ist die Menstruation etwas ganz natürliches, wofür sich niemand schämen sollte«, sagt einer der beiden Frauenversteher. Das Produkt sei vor allem für unterwegs gedacht.

Aber auch an dieser Stelle ist das Produkt totaler Quatsch. Denn bisher haben Menschen es auch geschafft, auf Festivals oder Reisen mit ihrer Periode und der Entsorgung der Produkte klarzukommen. Noch dazu ist es absolute Umweltverschmutzung. Eine Userin auf Twitter wies außerdem darauf hin, dass die beiden Gründerinnen des Unternehmens ooia, die wiederverwendbare Periodenunterwäsche herstellen, in der gleichen Show vor zwei Jahren kein Investment bekamen. Das hinterlässt einen extra bitteren Nachgeschmack, vor allem, da jetzt zwei Männer ein »Frauenproblem« monetarisieren, mit einem Produkt, bei dem die Sinnhaftigkeit im Gegensatz zur Periodenunterwäsche durchaus fraglich bleibt.

Ich hätte aber an dieser Stelle noch ein paar Vorschläge für André und Eugen. Wenn ihr Menstruierenden helfen wollt, setzt euch doch dafür ein, dass Periodenprodukte kostenlos oder zumindest für alle zugänglich werden.

Und noch eine Idee: Statt weiter sexistische Kackscheiße zu verzapfen, könntet ihr als Äquivalent zum Periodenhandschuh nicht einen hellblauen Plastikhandschuh für Cis-Männer entwerfen, den sie anziehen, wenn sie ihren Penis beim Pissen halten? Studien beweisen, dass viele Männer ihre Hände nach dem Toilettengang häufig weniger gründlich bis gar nicht waschen. Mann ey!

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