München bangt um EM

Die UEFA übt in der heiklen Zuschauerfrage der EURO 2021 Druck aus. München könnte seinen Status als EM-Spielort verlieren.

Am malerischen Genfer See ringt der Deutsche Fußball-Bund um seine EM-Gastgeberrolle und eine Lösung in der politisch heiklen Zuschauerfrage. Die Stadt München, die in diesem Sommer alle Gruppenspiele der deutschen Nationalmannschaft ausrichten soll, verweigert weiterhin eine Garantie für die Zulassung von Publikum. Der DFB muss deshalb bei der entscheidenden UEFA-Sitzung am Montag (ab 9 Uhr) in der Schweiz, während der auch die tiefgreifende Europapokalreform beschlossen werden soll, hart verhandeln. Ein Kompromiss oder das Münchener EM-Aus - bis zuletzt schien beides möglich.

Der DFB, der in der Heimat scharfer Kritik ausgesetzt ist, bestätigte am Sonntag den Eingang zweier Briefe aus dem Bundesinnenministerium und der Bayerischen Staatskanzlei Ende der vergangenen Woche. Laut »Bild am Sonntag« lehnen beide Häuser eine feste Zusage für die Öffnung von mindestens 20 bis 25 Prozent der Stadionkapazität für Zuschauer ab. Das wiederum scheint die Voraussetzung der UEFA zu sein - neun von zwölf Gastgebern des Turniers (11. Juni bis 11. Juli) gaben zudem schon Grünes Licht, in Ungarn soll sogar vor vollen Rängen gespielt werden.

»Der DFB ist mit Bund und Land im ständigen konstruktiven Austausch«, teilte der DFB am Sonntag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. »Trotz der herausfordernden pandemischen Entwicklung bleiben wir optimistisch, dass die UEFA mit München bei der EURO 2020 plant.«

In der Arena von Rekordmeister FC Bayern soll neben den Partien der DFB-Auswahl gegen Weltmeister Frankreich (15. Juni), Europameister Portugal (19. Juni) und Ungarn (23. Juni) ein Viertelfinale (2. Juli) stattfinden. »Die UEFA macht es zur Bedingung, dass an den jeweiligen Spielorten Zuschauer zugelassen werden, das ist aus meiner Sicht eine Form der Erpressung«, sagte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«.

Bleibt die UEFA hart - auch Dublin und Bilbao sind noch nicht als Gastgeber bestätigt - würden die Partien in eine andere Stadt verlegt werden. Der Brief aus dem BMI verdeutlicht, dass diese nicht in Deutschland liegen würde. Russland mit St. Petersburg hat sich bereits ins Gespräch gebracht, auch Ungarn mit Budapest und Finalgastgeber England mit London wären denkbare Alternativen.

»Klar ist auch, die UEFA hat überhaupt nichts gegen München und möchte den Spielort erhalten. Aber wir dürfen in München auch nicht sagen «Mia san mia» und deswegen haben wir unseren Standpunkt«, sagte DFB-Vizepräsident Rainer Koch in der BR-Sendung »Heute im Stadion«. Der 62-Jährige ist Mitglied im UEFA-Exekutivkomitee und will am Dienstag beim Kongress des Dachverbandes in dieser Funktion bestätigt werden. Der DFB ist in einer verzwickten Lage.

Zwar sagte der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter auch in der »Welt am Sonntag« erneut, dass Spiele vor Fans im Sommer wünschenswert seien. Er hoffe, »dass sich die Pandemielage bis Juni entspannt und wir unter Einbeziehung zusätzlicher Hygienemaßnahmen und eventueller Teststrategien, wie von der UEFA angestrebt, wenigstens einen gewissen Prozentsatz der Plätze in der Allianz Arena für Zuschauer freigeben können«. Die Kernaussage bleibt aber: Garantien kann es nicht geben. SID/nd

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