Zu den sechs Eichen

1. Mai diesmal wohl etwas mehr sportlich als kämpferisch

MIKE MLYNAR

Es lenzt immer mehr. Mit Jauchzen und Jubilieren ist es zwar in Seuchenzeiten nicht so weit her, doch einige solistische wie familiäre Freiräume bleiben. Beispielsweise die Natur. Der Autor weiß, wovon er spricht. Er war schon in seinen gehaltsabhängigen Jahren laufender- und wandernderweise viel in Wald und Flur unterwegs, und er ist es als Rentner und Freiberufler erst recht.

Doch diese privilegierte Lage spürt er seit Jahren gemindert, progressiv und exponentiell. Nämlich dadurch, dass die Forsten in seiner waldreichen Heimatgegend mehr und mehr verkommen: weithin kniehohes faulendes Totholz, Myriaden von Borkenkäfern. Und dies nicht deshalb, weil der Nabu etwa absolut beim Wort genommen wird, dass ein Zurück zum Urwald die einzige und effektivste Methode sei, mehr CO2 zu speichern. Sondern vor allem deshalb, weil etliche Eigentümer aller Art ihren Wald offensichtlich vor sich hin gammeln lassen, da sie ihn nicht bewirtschaften können oder wollen. Und weil sie ihn deshalb letztlich lieber umgewidmet sähen, nämlich in lukrative Flächen für Solaranlagen, Windräder, Lagerhallen oder Golfplätze.

Da der 1. Mai als Kampftag schon lange Vergangenheit ist, wird sich der Autor nun kaum protestierenderweise an irgendeine olle Eiche aus der Zeit von Hans von Carlowitz (1645-1714) ketten - der hatte den Begriff der Nachhaltigkeit erstmals auf Deutsch publik gemacht. Eher schon könnte er sich wieder mal auf eine Nostalgie-Tagestour zu noch bestehenden Wahrzeichen hoher Waldkultur aufmachen, die auch zu diesem Denkspiel führt:

Vor rund 200 Jahren waren in einer waldreichen Gegend als Symbol für besagte Nachhaltigkeit in bestimmten Abständen zueinander sechs Eichen gepflanzt worden, und zwar auf einer 31 Kilometer langen Kreislinie (die wir hier als eine ideale annehmen). Von jeder der sechs Eichen kann man zu Fuß auf besagter Kreislinie zu den anderen fünf kommen, entweder rechts oder links herum. Es gibt somit insgesamt 30 Wege von Eiche zu Eiche (nämlich 6*5 = 30). Die Wegstrecken sind alle ganzzahlig lang, haben aber jeweils unterschiedliche Längen. In welchen Kilometerabständen stehen die sechs Eichen auf der Kreislinie? (Hinweis: Es gibt fünf Lösungen - Nur-Drehungen bzw. -Spiegelungen von »echten« Lösungen zählen jedoch nicht dazu.)

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