Demonstration der Stärke

Ruderer Oliver Zeidler ist nach seinem souveränen Sieg beim Weltcup in Zagreb plötzlich einer der Favoriten auf Olympiagold

  • Von Heinz Büse, Zagreb
  • Lesedauer: 3 Min.

Zweiter Wettkampf, zweiter Sieg - Ruderer Oliver Zeidler wird mehr und mehr zu einem der Anwärter auf die Goldmedaille bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio. Drei Wochen nach seinem Triumph bei den Europameisterschaften in Italien geriet auch das Finale des ersten Weltcups dieser Saison auf dem Jarun See in Zagreb zu einer Demonstration seiner Stärke. Scheinbar mühelos verwies der 24 Jahre alte Einer-Fahrer aus Ingolstadt selbst den einstigen Weltmeister Kjetil Borch aus Norwegen mit sehr komfortablen 4,5 Sekunden Vorsprung auf Rang zwei. »Ich musste noch nicht alles geben - so kann es weiter gehen«, kommentierte Zeidler den souveränen Start-Ziel-Sieg lächelnd.

Muskeln und Mentalität

Neben unbändiger Kraft bewies er auch mentale Stärke. Die Favoritenrolle für den kommenden Weltcup in drei Wochen auf dem Rotsee in Luzern und ebenso für die olympische Regatta in Japan bereitet ihm offenbar wenig Unbehagen: »Wenn man vorne ist, ist es immer schwierig, es zu halten. Da ist das Jagen leichter. Aber ich fühle mich gut in der Position, ich der ich gerade bin. Ich bin rundum zufrieden.«

Einen weiteren deutschen Erfolg gab es in Zagreb für die Europameisterschaftszweiten Jonathan Rommelmann aus Krefeld und Jason Osborne aus Mainz im leichten Doppelzweier. »Wir haben das Rennen relativ deutlich gewonnen und sind deshalb mit dem Verlauf des Wochenendes sehr zufrieden«, freute sich Rommelmann. Komplettiert wurde der durchaus achtbare Auftritt der kleinen Flotte des Deutschen Ruderverbandes durch den Sieg der Frauen im Doppelvierer. Die Potsdamerin Daniela Schultze, Carlotta Nwajide aus Hannover, die Kielerin Frieda Hämmerling und Franziska Kampmann aus Waltrop hatten im Ziel 1,2 Sekunden Vorsprung auf das Boot der Französinnen. Dass dabei nur drei Viererteams am Start waren, konnte die Freude von Crew-Mitglied Carlotta Nwajide nicht schmälern: »Unser Ziel für die Olympischen Spiele ist auf jeden Fall eine Medaille. Aber das wird noch ein harter Weg dahin.«

Simulierter Wettkampf

Aufgrund der schlechten Wetteraussichten mit starken Winden waren die Finalläufe kurzfristig von Sonntag auf Sonnabend vorverlegt worden. Davon ließ sich auch der deutsche Doppelvierer der Männer nicht beirren und blieb trotz der Zusatzbelastung im Hoffnungslauf in seinem ersten Saisonwettkampf am Ende mit Rang drei im Soll. Das Quartett mit dem Hamburger Tim Ole Naske, Karl Schulze aus Berlin, dem Potsdamer Hans Gruhne und Max Appel aus Magdeburg hatte am Ende 1,62 Sekunden Rückstand auf die Sieger aus Estland.

Der Deutsche Ruderverband war beim Weltcupauftakt in nur fünf der 14 olympischen Bootsklassen vertreten. So musste der Achter auf einen Start verzichten, weil zu wenig Boote gemeldet waren. Stattdessen simulierte die Crew um den Schweriner Schlagmann Hannes Ocik den Wettkampf und fuhr am Wochenende auf dem heimischen Dortmund-Ems-Kanal zwei volle Rennen über die 2000-Meter-Distanz. Deutlich größer als für Zagreb ist das Meldeergebnis für den kommenden Weltcup vom 21. bis 23. Mai in Luzern. »Da werden alle Top-Nationen am Start sein. Wir bekommen dort ein Feedback, ob wir noch mal näher rangerückt sind und sich das Training ausgezahlt hat«, sagte Osborne. Wenige Tage zuvor kämpfen noch acht DRV-Boote an gleicher Stätte in der Olympiaqualifikation um die letzten Tickets für Tokio. dpa/nd

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