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Gegenwind aus dem Mainstream?

MTV-Prominente bloggen gegen Neonazis

Warum Nazis doof sind, erklärt seit gestern ein Weblog. Mit dabei: Prominente von MTV und VIVA, Fußballer und Schauspieler.

Knapp 1500 rechte Websites zählt derzeit die Organisation Jugendschutz.net, darunter von mehr als 220 Freien Kameradschaften. Vor allem deren Internet-Präsenz richtet sich an Jugendliche und orientiert sich stark an ihrer Ästhetik: Wenig Text, viel Symbolik, Musik zum Downloaden, Kontaktangebote. Seit gestern ist mit dem Weblog Störungsmelder ein Podium online, das sich an die Zielgruppe der 14- bis 18-Jährigen wendet, die von Neonazis besonders umworben wird. Zu den Initiatoren gehören neben dem »ZEIT-Zünder« die Initiative »Gesicht zeigen!« und die Dresdner Jugendzeitung »Spiesser«. Die Idee: Eine Plattform für Prominenz, Sachkompetenz und Betroffenheit, erläuterte »ZEIT-Zünder«-Redakteur Christian Bangel gestern in Berlin.

Prominente sollen den Kids erklären, warum Nazis uncool sind: der MTV-Moderator Markus Kavka, VIVA-Moderator Klaas Heufer-Umlauf und die Schauspieler Ole Tillmann und Nina Gnädig sowie der Fußballer Thomas Hitzlsperger. Daneben stehen Experten wie der Betreiber des NPD-Blogs Patrick Gensing oder Zeit-Autor Toralf Staud zur Verfügung. 15 Autoren sollen zum Thema bloggen, über Entwicklungen informieren und anhand konkreter Fälle Strategien diskutieren. Zudem seien Aktionen »auf der Straße« geplant, erläutert Uwe-Karsten Heye, Ex-Regierungssprecher und Vorsitzender der Initiative »Gesicht zeigen!«. So wird demnächst Markus Kavka in Sachen Antifaschismus durch Schulen tingeln. Alles für die gute Sache: Keine Promotion, keine persönliche PR, versicherte Heye.

Ein Zeichen dafür, dass die Rechten Gegenwind nicht nur von antifaschistischen Gruppen, sondern aus dem Mainstream bekommen? Zeit dafür wäre es. Neonazis mischen derzeit in vielem mit, was zu einer Jugendsubkultur gehört: Musik, Codes, Symbole, Label für Klamotten – verbreitet und finanziert von einer gut ausgebauten Infrastruktur, hinter der große Organisationen wie die NPD oder andere rechte Parteien stehen. Soziale Themen, Globalisierung, Kapitalismus: Nicht immer ist die Nazipropaganda auf Anhieb zu enttarnen. Wie altväterlich kommen dagegen Antifa-Projekte oft daher: »Gähnfaktor Respekt«, spottete kürzlich die »taz« über die Schulhof-CD von Sputnik, dem Jugendradio des MDR, mit der man in Sachsen-Anhalt die Schulhof-CD der rechtsradikalen Freien Kameradschaften ausstechen will. Für eine gute Sache zu sein, reicht eben oft nicht aus.

www.stoerungsmelder.org

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