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Letzte Worte

Als Graf Agénor von Gasparin im Sterben lag, 1871 in Genf, tröstete ihn die Gräfin: »Mein lieber Agénor, ich werde dir folgen.« Mit letzter Kraft flüsterte der liebe Agénor: »Valerie, liebe Valerie, aber nein. Du weißt, ich mag es, wenn du vor mir gehst.« Von dem einst populären Schriftstellerpaar ist uns – c'est la vie – nichts geblieben, nur dieses letzte Wort. Verdient es bewahrt zu werden? Und wie steht es mit dem folgenden Satz? Vom Priester ermahnt, dem Teufel abzuschwören, erklärt der Sterbende: »Ich glaube nicht, dass jetzt der richtige Moment ist, sich neue Feinde zu machen.« Die Sentenz wird – mindestens – sechs Sterbenden verschiedener Epochen und unterschiedlicher Sprachen zugeschrieben. Dieses letzte Wort lebt, weil es so schön auf dem schmalen Grat zwischen Bonmot und Kalauer balanciert.

Der Mensch, womöglich das einzige irdische Lebewesen, das von seinem Tod weiß, und das einzige, das seine Toten bestattet, trägt schwer an der Furcht vor Sterben und Tod. Die religiösen und philosophischen Beschwichtigungsformeln helfen in der westlichen Zivilisation immer weniger. Die meisten Menschen glauben, dass der Tod das Ende, nicht eine Verwandlung sei, also ein Schritt ins Leere, nicht ins Eigentliche.

Immerhin: Dass alle Menschen sterben müssen, wird als Gerechtigkeit empfunden, womöglich als die einzige Gerechtigkeit des ganzen Lebens. Die gewissenhafte Vorbereitung auf das »letzte Stündlein« hingegen, einst Herz der religiösen Kultur nicht nur im Abendland, ist passé ...

Der Tod ist uns gewiss, die Stunde ungewiss. Hier ist zu lesen, wie in mehr als dreitausend Jahren überlieferter Menschheitsgeschichte das jeweils letzte Stündlein ausklang.

Aus dem Vorwort von Hans Halter, »Ich habe meine Sache hier getan. Leben und letzte Worte berühmter Frauen und Männer« (Bloomsbury, 267 S., br., 16 EUR)

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