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Fußball im Schwimmbecken

Der Umbau im SEZ schreitet voran, aber gebadet werden kann künftig nur noch zur Therapie

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Im Wellenbecken wird Badminton gespielt, aber die Erinnerung an den Badebetrieb ist noch da. ND-
Im Wellenbecken wird Badminton gespielt, aber die Erinnerung an den Badebetrieb ist noch da. ND-

27 Grad Wassertemperatur im Sprung- und Schwimmbecken zeigt die Tafel an. Doch Wasser gibt es in diesem Becken längst nicht mehr, die Tafel ist ein Relikt aus alten Zeiten, als im SEZ an der Landsberger Allee noch nach Herzenslust geplanscht werden konnte. Mittlerweile haben Handwerker das Becken mit einem ballsporttauglichen Belag ausgekleidet, an den Enden stehen Tore. Im einstigen Wellenbad wird bereits Badminton und Tischtennis gespielt.

»Was ist denn noch an Wasser hier«, lautete dann auch die bange Frage der Mitglieder des Sportausschusses der BVV Friedrichshain-Kreuzberg, als sie sich am Mittwochabend von Rainer Löhnitz durch das Freizeitzentrum führen ließen. Nach der Schließung durch den Senat hatte es der Leipziger Mitte 2003 für einen Euro vom Land gekauft und so vor dem Abriss bewahrt. Nach kurzer Sanierung konnten Bowlingkeller und Sporthalle wiedereröffnet werden, danach nahm sich Löhnitz den großen Schwimmbereich vor.

Den durchziehen jetzt große Glaswände, »um den Nass- vom Sportbereich zu trennen«, so der Chef. Der »Nassbereich« besteht aus einem Therapiebecken mit beheizbaren Sitzflächen davor, einem Mutter-und-Kind-Becken und einem Entspannungsbecken, das sich im Bereich der einstigen Wasserkaskaden befindet. Das könnte auch für Therapiezwecke oder eben für die Entspannung nach dem Fitnesstraining genutzt werden, stellt sich Löhnitz vor. Die entsprechenden Sportgeräte sind bereits auf den trockengelegten Kaskadenstufen platziert.

Das Thema Schwimmen hat sich für Löhnitz offenbar erledigt, auch wenn er in den umgerüsteten Becken »nicht eine Fliese« angebohrt hat, sie also wieder geflutet werden könnten. Aber das wäre »energiepolitischer Wahnsinn«, erklärte er den Bezirksverordneten leicht genervt, weil CDU-Verordnete das zuvor gefordert hatten. »Hier ist nur ein riesiger Glaskasten drüber, die Dämmung damit gleich Null.« Und außerdem gebe es nur ein Stück weiter zwei staatlich subventionierte 50-Meter-Bahnen, verweist Löhnitz auf die Europaschwimmhalle am S-Bahnhof Landsberger Allee.

Den Hallenbadbetrieb wieder aufzunehmen, hatte ihm jedoch der Senat in den Kaufvertrag geschrieben. Allerdings muss das nicht im früheren Umfang geschehen. Holger Lippmann, Chef des Berliner Liegenschaftsfonds, der die Einhaltung der Auflagen kontrolliert, bescheinigt ihm denn auch Vertragstreue. »Wir haben bisher keine Beanstandungen.«

Zumal auch das Außenbecken weiterhin nutzbar ist, etwa von den Besuchern der Saunalandschaft, die auf zwei Etagen entsteht. Im Erdgeschoss, eingerahmt von einem knorrigen Olivenbaum sowie diversen Palmen, ist sie fast fertig und soll im Frühjahr zusammen mit dem »Nassbereich« öffnen, im Herbst dann u. a. Dampf-, Bio- und weitere Saunen im Obergeschoss. Womit sich dieser Bereich mit 1200 Quadratmetern dann dreimal so groß präsentiert wie zu alten SEZ-Zeiten.

Doch damit liegt dann immer noch ein Großteil des Gebäudes brach, etwa im Bereich des einstigen Polariums, wo bereits alles entkernt ist und »vielleicht was für Kinder« entstehen könnte. Auch für das dreistöckige Verwaltungsgebäude hat Löhnitz Pläne, die er aber nicht verraten will. Im großen Park hinterm Haus kann er sich ein Thermalbad vorstellen. Unwirsch wird er immer, wenn er auf die lange Bauzeit angesprochen wird: »Das Geld für den Umbau muss ja erst verdient werden durch den Betrieb hier.« Wenn dann irgendwann alles fertig ist, wird jedenfalls etwas Einmaliges entstanden sein: »Eine komplett neue Art von Sport und Freizeitzentrum durch die Verbindung von Wasser, Wellness, Ballsport und Fitness«, ist sich Löhnitz sicher.

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