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Kämpferisches Vorbild

Schlecker-Betriebsrätin siegt vor Gericht gegen Arbeitgeber

Antje Treptow ist Schlecker-Mitarbeiterin in Bremen. Seit Jahren wehrt sie sich gegen die Schikanen ihres Arbeitgebers. Mit Erfolg.
Antje Treptow strahlt nach der Urteilsverkündung.
Antje Treptow strahlt nach der Urteilsverkündung.

In die Schlagzeilen hat es die Drogeriemarkt-Kette Schlecker zuletzt mit Kondomen geschafft. Grund: In einer Filiale in Fulda verbietet die katholische Kirche, Vermieterin der Ladenräume, den Verkauf der Verhüterlis. Nichts soll dort angeboten werden, was dem Ansehen der Kirche schaden könnte. Prompt wurde die Drogerie zur kuriosen Touristenattraktion.

Kündigung empfohlen
Die seltsame Geschichte ließ kurz vergessen, dass es bei Schlecker im Normalfall erheblich weltlicher und bisweilen handfester zur Sache geht. Antje Treptow erfuhr das in ihrem dreijährigen Kampf gegen den Drogerie-Riesen am eigenen Leibe. Seit 1995 arbeitet die heute 37-Jährige für den Drogeriemarkt. Bis zur »Verkaufsstellenleiterin« hat sie es geschafft. Dann aber wurde sie Mutter zweier Söhne und ging für sechs Jahre in Elternzeit. Ins Berufsleben zurückgekehrt, machte sie 2005 ihren Anspruch auf Teilzeitarbeit geltend. Doch Schlecker zeigte sich wenig kooperativ und verweigerte der Verkäuferin die gewünschte Arbeitszeitreduzierung, legte ihr stattdessen die Kündigung nahe. Die Frau mit den blonden Locken zog vor Gericht – und bekam ihre Teilzeitstelle.

Treptows Arbeitgeber indes versuchte, ihr den Erfolg zu vergällen und gewährte zwar Teilzeit, aber mit völlig familienuntauglichen Arbeitszeiten. Die kämpferische Kollegin jedoch ließ sich nicht einschüchtern. Statt zu kuschen, ging sie wieder vor Gericht. Sie bekam aufs neue Recht und arbeitet seitdem täglich von 9 bis 13 Uhr. Der Drogist schoss scharf zurück: 28 Rügen, Er- und Abmahnungen kassierte die Verkäuferin bis Anfang 2006. Zuletzt erreichte sie die Kündigung. Begründung: Treptow habe Kunden beim Bezahlen nicht auf das Online-Angebot und den Bestellshop des Drogeriewarenhändlers hingewiesen – angeblich eine Verletzung ihrer arbeitsvertraglichen Pflichten.

Doch der Kündigungstermin war schlecht gewählt. Das Entlassungsschreiben erreichte Treptow gerade, als sie von ihren Kolleginnen zur Vorsitzenden des Wahlvorstandes, dem die Durchführung einer Betriebsratwahl obliegt, gewählt worden war. Der Verdacht liegt nahe, dass Schlecker versuchte, die unbeugsame Mitarbeiterin loszuwerden, bevor sie als Be- triebsrätin besonderen Kündigungsschutz genießen würde. Ein für Schlecker nicht ungewöhnliches Vorgehen, weiß Bernd Hering von der Gewerkschaft ver.di. Immer wieder würden bei Schlecker Betriebsratswahlen gezielt behindert, aktive Mitarbeiter schikaniert und bedroht, erklärt der Gewerkschaftsvertreter.

Schleckers Versuch, Treptow rauszuwerfen, scheiterte, weil bereits der Wahlvorstand Kündigungsschutz genießt. Das Verfahren endete vor einer Woche mit einem Vergleich: Schlecker nimmt die Kündigung zurück und die Verkäuferin erkennt an, dass der Hinweis auf das Online-Angebot zu ihren vertraglichen Pflichten gehört. Der Drogerie-Goliath hat seinen David gefunden. »Schlecker konnte sich an keiner Stelle durchsetzen«, freut sich Ria Sonntag, die Antje Treptow anwaltlich vertritt.

Kämpfen um Bleistifte
Seit rund einem Jahr ist Antje Treptow nun als Betriebsrätin aktiv, und »jetzt geht es normal weiter«, so Ria Sonntag. Das heißt: Antje Treptow streitet sich weiter mit ihrem Arbeitgeber. Denn der zeigt sich auch der Arbeitnehmervertretung gegenüber feindlich. Ein PC wird dem Gremium nicht zur Verfügung gestellt, geschrieben wird auf einer alten Schreibmaschine. »Um jeden Bleistift müssen die Kolleginnen kämpfen«, berichtet Gewerkschaftssekretär Hering.

Über mangelnde Anerkennung braucht sich die Betriebsrätin allerdings keine Sorgen zu machen. Als Würdigung ihres widerständigen Geistes wählte der Bremer Frauenrat, der Dachverband Bremer Frauenorganisationen, Treptow am 8. März, dem internationalen Frauentag, zur »Frau des Jahres«. »Mit ihrem Mut, ihrem Durchhaltevermögen und ihrem Einsatz für Frauen und deren Rechte hat sie diese Ehrung wirklich verdient«, sagte Margareta Steinrücke, Referentin für Gleichstellungs- und Geschlechterpolitik der Arbeitnehmerkammer Bremen, in ihrer Laudatio. Antje Treptow sei »ein Vorbild für viele andere Frauen«.

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