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Jobben im Studium – Teil 1: Nur wer die 20-Stunden-Grenze nicht überschreitet, gilt als Student

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Seit 2005 informiert der ND-Ratgeber jährlich zum Beginn des Sommersemesters über das Jobben im Studium: Was muss bei der Sozialversicherung beachtet werden? Müssen Steuern gezahlt werden? Bringt der Studentenjob das Kindergeld in Gefahr? In einer sechsteiligen Serie stellt JOACHIM HOLSTEIN, Berater für studentische Steuerfragen beim AStA der Universität Hamburg, die wichtigsten neuen und alten Regelungen vor, die berufstätige Studierende beachten müssen.

Ein Job im Studium dient eher selten dazu, Anregungen für die Examensarbeit zu bekommen oder schon etwas Praxis im angestrebten Beruf zu erwerben. Meist ist der Job notwendiges Übel, um sich das Studium überhaupt leisten zu können. Denn eine Ausbildungsförderung, die ihren Namen verdienen würde, gibt es in Deutschland nicht. Wer studiert, erhält keine Hilfe zum Lebensunterhalt, weder in Form von Sozialgeld noch in Form von ALG II. Stattdessen wird man auf den Geldbeutel der Eltern verwiesen. Wenn der nicht dick genug ist, gibt es höchstens noch BAföG, das aber unterhalb des Hartz-IV-Niveaus liegt und auch noch teilweise zurückgezahlt werden muss.

Kurz erwähnt sei, dass diejenigen, die wegen Studienfachwechels oder Überschreitens der Höchstförderungsdauer kein BAföG mehr erhalten können, Wohngeld beantragen dürfen. Alleinerziehende wiederum können beim Sozialamt bzw. bei der ARGE Sozialgeld für das Kind und Mehrbedarf für sich beanspruchen.

Daher müssen fast 80 % aller Studierenden jobben und dienen in vielen Firmen als willkommene Billigheimer, weil sie mit geringeren Bruttolöhnen abgespeist werden, bei ihnen weniger Sozialabgaben fällig sind und sie oftmals um Urlaub, Feiertagsbezahlung und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall geprellt werden. Studierende sind gut beraten, Kontakt zum DGB aufzunehmen und am besten bei einer seiner Gewerkschaften Mitglied zu werden; die GEW und ver.di nehmen Studierende unabhängig von der Branche ihres Jobs auf. An vielen Unis gibt es auch ein »Campus-Office« des DGB, in dem man sich Rat und Unterstützung holen kann.

Wer jobbt, muss sich zuallererst um die Sozialversicherung kümmern. Die meisten Studierenden werden zunächst kostenlos bei den Eltern kranken- und pflegeversichert sein. Diese Vergünstigung setzt aber voraus, dass keine oder nur geringe eigene Einnahmen erzielt werden, nämlich maximal 355 Euro monatlich oder per Minijob(s) maximal 400 Euro monatlich.

Wer regelmäßig mehr verdient, muss eine eigene Mitgliedschaft anmelden und zahlt den bei allen Krankenkassen einheitlichen, gesetzlich festgesetzten Studierendentarif von rund 56 Euro monatlich. Auch wer den 25. Geburtstag hinter sich hat, fällt aus der Familienversicherung heraus. Ab dem 30. Lebensjahr und auch nach Ablauf von 14 Fachsemestern wird es noch mal teurer, dann endet nämlich die studentische Versicherung und man wird »sonstiges Mitglied«, worauf der Beitrag auf der gesetzlich festgelegten Grundlage von 828 Euro Monatslohn kalkuliert wird und je nach Beitragssatz in einer Größenordnung von 110 bis 130 Euro pro Monat für die Kranken- und rund 15 Euro für die Pflegeversicherung liegt.

Alle diese Beitragsvarianten setzen voraus, dass man von der Krankenkasse überhaupt als Student(in) eingestuft wird. Das klappt nur, so lange man in der Vorlesungszeit montags bis freitags tagsüber maximal 20 Wochenstunden jobbt. Nur dann gilt man »dem Erscheinungsbild nach« als Studentin bzw. Student. Nachts, an den Wochenenden und in den Semesterferien hingegen spielt die Zahl der Arbeitsstunden keine Rolle. Die Höhe des Verdienstes ist dabei völlig uninteressant.

Was passiert, wenn man diese 20-Stunden-Grenze überschreitet? Auf eigene Rechnung arbeitende Studierende werden dann als Selbstständige versichert und ihnen werden monatliche Einnahmen vor 1.864 Euro unterstellt, so dass sie für Kranken- und Pflegeversicherung mindestens 280 Euro monatlich bezahlen müssen. Bei einem Job auf Steuerkarte müssten Arbeitgeber und Student(in) jeweils rund 20 bis 22 % Sozialabgaben vom Bruttolohn abführen. Beides wäre also eine teure Angelegenheit.

Umso schlimmer ist es, wenn Studierende, um die Studiengebühr zu vermeiden, ein Urlaubssemester einschieben. Dann werden sie nämlich automatisch und gnadenlos von der Sozialversicherung voll in Anspruch genommen und zahlen pro Semester bis zu 1.600 Euro an zusätzlichen Beiträgen, während den Eltern auch noch Kindergeld und diverse Steuervergünstigungen gestrichen werden. Studierende sollten also primär nach anderen Möglichkeiten suchen, die Studiengebühr zu vermeiden, und sich beim jeweiligen AStA über Befreiungsanträge beraten lassen.

Zurück zur Sozialversicherung. Nachdem das Verhältnis zur Krankenkasse (und damit auch zur Pflegeversicherung) geklärt ist, müssen sich Studierende mit dem Thema Rentenversicherung befassen. Bei einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis (erkennbar an der Verwendung einer Steuerkarte, an Begriffen wie »Arbeitsvertrag« und »Arbeitnehmer«, aber auch an Annehmlichkeiten wie bezahltem Urlaub und Kündigungsschutz) verlangt die Rentenversicherung maximal 9,95 % vom Arbeitgeber und 9,95 % von den Studierenden; bei Monatslöhnen unter 800 Euro können die Beiträge auf Arbeitnehmerseite reduziert werden. Bei maximal 400 Euro Monatslohn kommen die sogenannten Minijobs ins Spiel, bei denen der Arbeitgeber 28 % und der Arbeitnehmer nichts bezahlen müssen. Dazu mehr im nächsten Ratgeber.

Wenig bekannt ist, dass auch bei bestimmten selbstständigen Tätigkeiten Rentenbeiträge bezahlt werden müssen, nämlich immer dann, wenn es sich um eine pädagogische Tätigkeit handelt. Die Lehrkraft muss dann 19,9 % ihres Honorars abführen! Das gilt auch für Fitnesstrainer, Betreuerinnen im Jugendklub und Menschen, die Deutschkurse für Migranten geben.

Empfehlenswert ist, vor Aufnahme der Tätigkeit genaue Auskünfte über die Arbeitsbedingungen einzuholen und Vertragsunterlagen erstmal einer Gewerkschaft oder dem AStA zur Prüfung vorzulegen. Vielleicht handelt es sich nämlich in Wirklichkeit gar nicht um eine selbstständige Tätigkeit, sondern um eine weisungsgebundene und damit um eine abhängige Beschäftigung, so dass der Verein bzw. Maßnahmeträger mindestens für die Hälfte der Sozialabgaben aufkommen muss. Nach Aufnahme der Tätigkeit lässt sich so etwas per Statusklage beim Arbeitsgericht oder durch eine Anzeige bei den Sozialversicherungsträgern klären.

Im nächsten Ratgeber: Selbstständig oder unselbstständig sowie Minijobs

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