Werbung

»Ich finde Shogi-Profis echt cool«

Japans kultige Girl-Band Shonen Knife liebt das traditionelle Schachspiel ihrer Heimat

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Shonen Knife, von den Schwestern Naoko (Gesang, Gitarre) und Atsuko Yamano (Bass) aus Osaka gegründet, sind Stilikonen des punkigen Mädchenpop. Inzwischen promotet das Duo während seiner Tourneen auch die speziell japanische Version des Schachspiels, das Shogi. Warum, wieso und mit welchem Effekt fragte ND-Reporter RENÉ GRALLA die Frontfrau Naoko Yamano.
Duett am Brett: Stimme geschont, Geist geweckt.
Duett am Brett: Stimme geschont, Geist geweckt.

ND: Nach einem Konzert im kanadischen Toronto trugen Sie gegen Fans Partien im Shogi aus. Eine ziemlich ungewöhnliche Idee.
Naoko Yamano: Das hat der japanische Künstler Tomo Lennon organisiert, der dort lebt. Wir haben uns gut amüsiert.

Wie passt Ihr Image als unbekümmerte Spaßkapelle zu einem verkopften Spiel wie Shogi?
Ich finde, dass Shogi-Profis echt cool sind. Ich liebe es, denen im Fernsehen zuzuschauen.

Shogi gehört zur japanischen Kultur wie Ikebana oder die Teezeremonie. Welche Bedeutung hat Shogi für Sie?
Es ist ein Spiel für den Verstand. Es verlangt viel Intelligenz.

Shogi hat heute ein Imageproblem. Jugendliche Japaner betrachten es häufig als Zeitvertreib für ältere Männer.
Oh, stop! Viele Kinder spielen es inzwischen wieder. Und sie wollen Profis werden. Die Preisgelder in Turnieren sind hoch.

Mit seinen einfarbigen Steinen, die kryptische Buchstaben tragen, gilt Shogi als die anspruchsvollste Schachvariante überhaupt. Sind Japaner smarter als Menschen aus dem Westen, die für Schach richtige Figuren brauchen?
Das denke ich nicht. Eine clevere Person wird, unabhängig von ihrer Herkunft, immer auch ein starker Shogispieler sein.

Am kommenden Wochenende findet wie jedes Jahr in Tendo nördlich von Tokio das berühmte »Ningen Shogi«-Festival statt. Da werden die Figuren von menschlichen Darstellern in Szene gesetzt. Wie wär's, wenn die Shogi-Band Shonen Knife das nächste Mal die Matches musikalisch begleitet?
Klasse Idee, das würde bestimmt Spaß machen.

Mädchenbands, die fröhlichen Pop spielen, sind typisch für Japans Szene. Wie kommt das eigentlich?
Das beschränkt sich doch nicht bloß auf Japan. Inzwischen sagen viele ausländische Formationen, dass sie von Shonen Knife inspiriert worden sind.

Oder hängt das zusammen mit der Vorliebe der Japaner für alles, was in Ihrer Heimat »kawaii« genannt wird, übersetzt süß beziehungsweise niedlich?
Da japanische Frauen nun mal meist jünger aussehen als sie tatsächlich sind, stehen ihnen eben Sachen, die »kawaii« haben.

Glaubt man hiesigen Medien, so sind Japans Männer geradezu fixiert auf alles was kawaii ist.
Ach was. Junge Mädchen lieben süßes Zeug, also »kawaii«. Mit den Männern hat das nichts zu tun.

Wirklich? Ist dieser Kult um »kawaii« nur eine westliche Medienerfindung, sind diese Männerfantasien nur herbeigeschrieben?
Ich denke schon. Denn nur jemand, der »otaku« ist – das heißt, gefangen in der Fantasiewelt der Mangas – verwechselt die verkitschten Kunstfiguren der »Kawaii«-Mädchen aus den Comics mit der Realität.

Ihre neue CD »fun! fun! fun!« ist bisher nur in Japan erschienen. Wann touren Sie durch Deutschland und bringen im Gepäck Ihr aktuelles Album mit?
Wir suchen gerade nach einer Plattengesellschaft plus Veranstalter. Ich habe von meinen früheren Gastspielen sehr gute Erinnerungen an Deutschland. Die Menschen sind nett, es gibt viele interessante Städte, die Landschaft ist schön, und das Essen ist lecker.

Werden Sie sich dann auch im Shogi mit deutschen Konzertbesuchern messen?
Das tue ich gerne.

Shonen Knife existieren seit inzwischen mehr als 26 Jahren. Gestartet sind Sie einst als Mädchen-Band, doch wie lange wollen Sie noch weiter machen?
Ich hoffe, zumindest länger als die Rolling Stones.

Infos: www.shonenknife.com

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen