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Geister

FU-Aggressionstheater

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Wo sonst als auf Bühnen kann man so herrlich konsequenzlos negative Emotionen freilegen, um die darunterliegende Schicht an Tabus, Angstvorstellungen, Widersprüchen, »So-läuft-das-halt-Sätzen« zu sehen, auf die immer wieder Bezug genommen wird? In »Haltestelle. Geister« unter Regie von Beatrice Murmann sind alle aggressiv. Dominanz ist die Eigenschaft, an der sich Verhalten orientiert.

Auf der Bühne agieren in steril wirkenden weißen Gewändern 15 Spieler. Alle sind sie ein wenig »durch den Wind«, haben nur ihren kurzfristigen Vorteil im Kopf. Es sind halbstarke Frauen, ein Drogendealer, eine Prinzessin von einem anderen Stern, ein Penner und andere Vergnügungssüchtige, von denen viele den Tod finden und bis zu ihrer Abfahrt ins Jenseits um die Lebenden herumgeistern.

Das Stück »Haltestelle. Geister«, das sich offensichtlich an Gedanken des französischen Philosophen Michel Foucault orientiert, ist auch deshalb ein bemerkenswertes Stück, weil es eine ganze Reihe von Sichten offeriert. Zum Beispiel: In der Systemtheorie des bekannten Bielefelder Soziologen Niklas Luhmann gibt es keine handelnden Menschen, sondern nur Systeme, die sich selbst am Leben erhalten und andere Systeme »beobachten«. Luhmann baut seine Theorie unter anderem auf den Satz auf »gleiches erzeugt gleiches«, weil bei ihm Gedanken eben nur direkt an Gedanken anschließen können.

Wendet man diese Vorstellung auf das Verhalten der Menschen in »Haltestelle. Geister« an, dann sieht man ein System negativer Emotionen, das sich durch Verhaltensweisen wie »sich anmachen«, »abfahren lassen« oder »niedermachen«, »rächen« und besonders »sich betäuben« am Leben erhält. Das ist zwischenmenschlich grausam wie unsinnig und für die Betroffenen ökonomisch blödsinnig. Anderen Aktivitäten ist man verschlossen und damit auch wenig lernoffen. Man kann auch Mitleid mit den Betroffenen empfinden, da sie – ohne es zu wissen – ihre Welt so gestalten, dass sie diese wohl oft nur als gegen sich gerichtet erleben.

»Haltestelle. Geister« erlaubt eine Reihe von Perspektiven. Lässt man sich für einen Moment auf den Strudel der Geschehnisse und Emotionen ein, kann man die Erfahrung machen, dass Aggression in manchen Momenten durchaus auch eine befreiende Emotion sein kann. Indirekt übt das Theaterstück Gesellschaftskritik, da es auch deutlich macht, dass viel Verhalten eben nicht in einem »Vakuum« entsteht, sondern eine emotionale Basis hat, die oft das Ergebnis unreflektierten Konkurrenzverhaltens ist. So gesehen fragt das Stück auch nach Ursachen und zeigt in kurzen Andeutungen, welche Idealbilder in diesen spannungsgeladenen Welten regelmäßig aufgebaut werden.

Toll! Sehr gut gespielt, hoch authentisch, starke Emotionen und gute Ideen. Der Studiobühne der FU will die eigentlich für ihre Experimentierfreude bekannte Freie Universität Berlin die Gelder entziehen, merkte am Ende eine Sprecherin an. Keine gute Idee.

Heute und 8. bis 10.5., 20 Uhr, Studiobühne FU, Ritterstraße 12-14, Kreuzberg, Tel: 36 42 07 09

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