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Ohne Licht keine Schicht

Märkisches Museum beleuchtet mit einer Ausstellung den Einfluss von Kunstlicht auf die Stadt

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Der Jubilar setzt sich selbst in Szene: Anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Märkischen Museums wird das Gebäude von außen erstmals künstlerisch beleuchtet. Mit diesem »Lockmittel« will die Stiftung Stadtmuseum Berlin auch gleich auf ihre neue Sonderausstellung »Berlin im Licht« aufmerksam machen.

Ab nächsten Dienstag wird in dem historischen Haus sieben Monate lang der Blick der Besucher auf das Kunstlicht gelenkt: »Wir stellen dar, wie sich durch diese technische Innovation der Charakter und das Antlitz der Stadt veränderten«, erklärt die Generaldirektorin Stadtmuseum, Franziska Nentwig. Gezeigt werden mehr als 1400 verschiedene Objekte – teilweise aus eigenem Fundus.

Kurioserweise präsentierte das Märkische Museum bereits im Jahr 1928 eine Ausstellung mit dem Titel »Beleuchtung in alter Zeit«. Damals wurde der Einfallsreichtum der Menschen in vor- und frühindustrieller Zeit dokumentiert, unter anderem Kienspan, Talglicht, Spiritus- und Öllampen ausgestellt. Diese vor allem gold- und silberfarben glänzenden Hilfsmittel eröffnen auch den aktuellen Ausstellungsrundgang.

Der Titel der neuen Schau geht auf eine vor 80 Jahren in Berlin inszenierte Werbewoche unter dem Motto »Berlin im Licht« zurück. »Diese Lichtwoche war der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die 1882 mit der Gründung der AEG begann«, sagt Franziska Nentwig. Um diese Zeit wurde auch das erste Kraftwerk Europas in der Markgrafenstraße am Gendarmenmarkt in Mitte errichtet.

Modelle, Fotos und Bücher informieren über die rasante Entwicklung der Gas- und Elektroindustrie. Firmen wie Osram, Siemens & Halske wurden zu Marktführern. An einer Museumswand können die Ausstellungsbesucher alte Trafos und Schalter sehen. Auf insgesamt 1400 Quadratmetern werden außerdem Themen wie »Licht und Schatten«, »Lichtspiele«, »Licht und Politik« sowie »Stadtinszenierung der Gegenwart« betrachtet.

So eroberte das Kunstlicht während der Zeit der Weimarer Republik den öffentlichen Raum. Erlebnisareale entstanden, in denen sich die Nacht zum Tag verwandelte: Bunte Reklameschilder prägten die Berliner Einkaufsstraßen, mondäne, mit vielen prunkvollen Leuchten ausgestattete Café- und Ballhäuser öffneten und auch viele zwielichtige Etablissements. Die Museumsbesucher können auf historischen Fotos der 20er und 30er Jahre angestrahlte Gebäude wie den Funkturm, das KaDeWe, das Schloss Charlottenburg oder auch das Köpenicker Rathaus am Stadtrand erkennen. Das Karstadt-Kaufhaus am Herrmannplatz besaß einst sogar eine beleuchtete Dachterrasse. Auch das Sozialgefüge und die Arbeitswelt veränderten sich durch das elektrische Licht. Die Schichtarbeit wurde eingeführt, die vor allem das Leben von Arbeiterfamilien veränderte. Deren Quartiere blieben allerdings dunkel, weil das Licht damals ein Luxusgut darstellte.

Herrschaftliche Kronleuchter sind ebenso im Museum zu sehen wie einfache Straßenlaternen. Es gibt einen Einblick in die Theaterwelt, die sich mit dem künstlichen Licht völlig veränderte: Üppigere Bühnen-Inszenierungen waren möglich.

Letztlich entdeckte auch die Politik das Licht als ästhetisches Medium und taugliches Mittel für ihre Ziele. Künstlich wurde der Todesstreifen an der Berliner Mauer angestrahlt. »Licht hinderte, als Teil der Sicherungsanlagen, an der Flucht in den Westen«, sagt Professor Dominik Bartmann vom Stadtmuseum. Ein umfangreiches Rahmenprogramm mit mehr als 90 Veranstaltungen begleitet die Sonderausstellung.

»Berlin im Licht«, Märkisches Museum, Am Köllnischen Park 5. Ab 24. Juni, Dienstag, Donnerstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr, Mittwoch von 12 bis 20 Uhr, Freitag und Samstag von 14 bis 22 Uhr geöffnet. www.stadtmuseum.de.

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