Werbung

Gesundheitswesen in den USA verfällt

75 Millionen Amerikaner sind unterversichert oder gar nicht versichert

  • Von John Dyer, Boston
  • Lesedauer: 3 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

In den Krankenhäusern der USA sterben unnötig viele Patienten. Laut einer neuen Studie könnten Jahr für Jahr 100 000 Menschenleben gerettet werden, wenn die medizinische Versorgung in den Spitälern den gleichen Stand hätte wie in vergleichbaren westlichen Ländern.

Warteräume in amerikanischen Krankenhäusern werden bisweilen zu Leichenschauhäusern. Steven Sabock wurde im April wegen mentalen Problemen in das Cherry Hospital in Goldsboro (US-Bundesstaat North Carolina) eingeliefert. Er erhielt eine Pille und wurde während 22 Stunden alleingelassen. Ein Arzt hatte angeordnet, dass ihm alle zwei Stunden Getränke verabreicht werden sollen und sein Gesundheitszustand alle sechs Stunden zu überprüfen sei. Nichts dergleichen geschah. Videos zeigen, wie Pflegepersonal ein paar Schritte von ihm entfernt Fernsehen schaute und Karten spielte. Steven Sabock würgte sich derweil an der Pille zu Tode. Sein Vater wollte ihn in dieser Zeit besuchen. Das Personal wies ihn ab. Sein Sohn fühle sich nicht wohl und habe sich hingelegt, hieß es.

Keine Hilfe für eine Sterbende

Der neuerliche Krankenhausskandal, der erst kürzlich bekannt wurde, ist kein Einzelfall. Im Juni brach eine 49-jährige Frau im Kings County Hospital in New York in einem Warteraum zusammen, nachdem sie fast 24 Stunden vergeblich auf eine Behandlung gewartet hatte. Das Pflegepersonal ignorierte die Sterbende während mehr als einer Stunde. Die Patientin, Esmin Green, war gegen ihren Willen wegen »Erregung und Psychose« eingeliefert worden und hatte das Pech, zu den Armen zu gehören. Aus Jamaika eingewandert, lebte sie in Brownsville, einem vorwiegend schwarzen Stadtviertel mit einer hohen Verbrechensrate in Brooklyn.

Laut einer Studie des Commonwealth Fund, einer Denkfabrik in New York, sind 75 Millionen erwachsene Amerikaner unter- oder gar nicht versichert. Das entspricht 42 Prozent der Bevölkerung zwischen 19 und 64. 2003 waren es noch 35 Prozent. In den USA besteht anders als in Europa keine obligatorische Krankenversicherung. Immerhin gibt es staatliche Subventionen für Kinder, ältere Menschen und Familien mit niedrigen Einkommen. Zudem sind die Notaufnahmestationen laut Gesetz zugänglich für alle.

Schlusslicht unter den westlichen Ländern

Laut der neuen Studie befindet sich das Gesundheitswesen allerdings im Verfall. »Die Qualität variiert stark«, heißt es in der Studie. »Es werden regelmäßig Möglichkeiten nicht genutzt, Krankheiten, Behinderungen und Todesfälle zu vermeiden«, so die gewundene Formulierung der Spezialisten. Die Statistik ist klarer: Von den untersuchten 19 westlichen Ländern weisen die USA die höchste Sterblichkeit in Krankenhäusern aus. Wäre das Qualitätsniveau gleich dem in Frankreich, Japan, Australien, könnten pro Jahr 100 000 Todesfälle vermieden werden.

Die schlechte Qualität des Gesundheitswesens zwingt die Amerikaner, für die eigene Gesundheit tiefer in der Tasche zu greifen. Laut der Studie geben die US-Bürger inzwischen ein Fünftel ihres Einkommens dafür aus. Das ist das doppelte des Durchschnitts in den entwickelten Industriestaaten.

Die Behörden in North Carolina haben inzwischen reagiert und Disziplinarmaßnahmen gegen das Krankenhaus angekündigt. »Solche Ereignisse hätten wir uns auch nicht in unseren Albträumen vorgestellt«, sagte Tom Lawrence, Sprecher des Gesundheitsministeriums des Bundesstaats. In New York will eine Menschenrechtsorganisation die Stadt mittels Klage zwingen, das Kings County Hospital zu reformieren. »Was dort geschieht, ist ein Angriff auf die menschliche Würde«, sagt Donna Lieberman, Chefin der »New York Civil Liberties Union«.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!