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Tausende Familien auf der Flucht

UNHCR verlangt von kämpfenden Parteien Sri Lankas mehr Schutz für Zivilisten in Not

  • Von Hilmar König, Delhi
  • Lesedauer: 2 Min.

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Internationale Agenturen äußern ernste Besorgnis über die Sicherheit tausender Familien, die aus der Kampfzone im Norden Sri Lankas fliehen. Das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) appellierte an die Streitkräfte und die tamilischen Befreiungstiger (LTTE), mehr für den Schutz der Zivilisten zu tun.

Die Vereinten Nationen kündigten am Dienstag an, ihr Hilfspersonal aus der Wanni-Region auf der Jaffna-Halbinsel abzuziehen. Sri Lankas Katastrophenminister Mahinda Samarasinghe hatte zuvor erklärt, Colombo könne die Sicherheit der UNO-Mitarbeiter nicht mehr garantieren. Verteidigungssekretär Gotabhaya Rajapakse, der Bruder des Staatspräsidenten, äußerte, da es im Norden keine Entwicklungsprojekte gebe, bestehe für Nichtregierungsorganisationen kein Grund, dort zu arbeiten.

Seit Monaten versucht Sri Lankas Militär, den Norden – das Kernland der LTTE – durch eine anhaltende Offensive unter Kontrolle zu bekommen. Diplomaten und Militärexperten in Colombo glauben, dass sich in den nächsten Wochen entscheidet, ob die Befreiungstiger, die seit 1983 für einen Separatstaat »Tamil Eelam« kämpfen, der Übermacht des Militärs gewachsen sind. Die LTTE hat in der Wanni-Region rund um ihre »Hauptstadt« Kilinochchi in den letzten Tagen beträchtlich an Territorium eingebüßt. Und sie hat immer größere Schwierigkeiten, neue Kämpfer zu rekrutieren. Zu Monatsbeginn behauptete das Verteidigungsministerium, die Stadt Mallavi eingenommen zu haben, »die wichtigste strategische Bastion und ein Nervenzentrum der LTTE«.

Am Dienstag hatten die Rebellen einen spektakulären Befreiungsschlag unternommen. Mit zwei Leichtflugzeugen griffen sie das militärische Hauptquartier in Vavunyia an, von wo die Offensive gegen die Wanni-Region dirigiert wird. Nach dem Abwurf zweier Bomben sei ein Kommando der »Black Tigers« auf das Gelände gestürmt und habe etliche Anlagen beschädigt oder zerstört. Bei den Kämpfen seien elf Soldaten, zehn Rebellen und ein Zivilist getötet worden. Das meldete die der LTTE nahe stehende Agentur TamilNet. Die Regierungsversion der Attacke lautete hingegen: Es habe zwar Tote auf beiden Seiten, aber keine Zerstörungen gegeben. Eines der Leichtflugzeuge sei abgeschossen worden. Das wiederum wurde von der LTTE dementiert.

Die Dachorganisation nationaler und internationaler Nichtregierungsorganisationen in Sri Lanka bezeichnete in einem Bericht die Lage als schlimm – besonders für den Teil der Bevölkerung, der aus dem Kampfgebiet fliehen musste. Das seien allein im Juli über 12 000 Familien gewesen. Bislang hätten mehr als 270 000 Menschen im Norden ihre Heimatdörfer verlassen müssen. Sie leben zum Teil in schlecht versorgten Lagern oder unter freiem Himmel. Amnesty International warf der Regierung in Colombo vor, die schweren Probleme beim Schutz und bei der Hilfe für die Geflüchteten zu unterschätzen. Das UNHCR forderte die Behörden auf, »humanitären Zugang« zu den Familien in Not sowie eine ungehinderte Passage dringend benötigter Versorgungsgüter zu gewährleisten. Colombo wies die Vorwürfe zurück und argumentierte, viel von der humanitären Hilfe erreiche die Bedürftigen nicht, weil sie von der LTTE abgefangen und missbraucht werde.

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