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Agentennetz in Libanon zerstört

Festgenommene arbeiteten für den israelischen Geheimdienst Mossad

  • Von Jürgen Cain Külbel
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die libanesische Armee vermeldete zu Wochenbeginn, sie habe in der Bekaa-Ebene, der Hochburg der schiitischen Hisbollah-Miliz, ein Spionagenest ausgehoben, das seit über 20 Jahren für den israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad agiere.

Die Beiruter Zeitung »As-Safir« identifizierte den libanesischen Staatsbürger Ali Jarrah als Chef des Netzwerks. Der Mittfünfziger, in den 80er Jahren rekrutiert, habe umfänglich gestanden. Er und sein Bruder Youssef »sammelten Informationen über Einrichtungen politischer Parteien und beobachteten die Bewegungen bestimmter Parteiführer für den Feind«, verlautbarte die Armee.

Beauftragte der Mossad die Spione anfänglich damit, Informationen über palästinensische Organisationen und Basen in der Bekaa-Ebene, diverse Sicherheitsbereiche, Außenposten der libanesischen und der syrischen Armee zu sammeln, so änderte er in den letzten Jahren die Zielrichtung: Die Jarrahs sollten nunmehr hochrangige Offizielle der Hisbollah, deren Kommandoposten und Fahrzeugkonvois observieren. Dazu parkten sie ihren Mitsubishi Pajero, in dem eine Kamera installiert war, die Kennzeichen und Gesichter klar erfassen konnte, an der Straße zwischen der Stadt Shtaura in der Bekaa-Ebene und dem syrisch-libanesischen Grenzübergang Masnaa. Mittels »Kommunikationsgeräten und anderer ausgeklügelter Technik«, sämtlich von der Armee beschlagnahmt, übersandten die Spione regelmäßig ihre Ausbeute nach Israel.

Ali Jarrah, der früher der militanten palästinensischen Gruppierung Fatah al-Intifada angehörte, später jedoch der radikalen Volksbefreiungsfront zur Befreiung Palästinas – Generalkommando (PFLP-GC) beitrat, erschlich sich zudem einen Militärpass, mit dem er problemlos die syrisch-libanesische Grenze passieren konnte. So konnte er sich frei in Damaskus bewegen, um die Häuser palästinensischer Offizieller und palästinensische Zentren zu observieren.

Die Brüder Jarrah haben zudem gestanden, in den Monaten vor dem tödlichen Autobombenanschlag auf Imad Mughniyeh, Mitgründer und Operationschef der Hisbollah-Miliz, die Umgebung von Kfar Sousa, jenem Ort in Damaskus, an dem das Verbrechen am 13. Februar 2008 exekutiert wurde, observiert zu haben.

Die Ermittler, die der Version nachgehen, die Gruppe habe den Israelis »geheimes Material zugespielt, das geholfen haben könnte, die Ermordung Mughniyehs vorzubereiten«, untersuchen derzeit auch Verbindungen zu anderen Attentaten in Libanon und Syrien, bei denen hochrangige Politiker und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens durch Autobomben ums Leben kamen.

Beide Spione kundschafteten weiterhin militärisch sensible Bereiche in Damaskus aus. Die syrische Staatssicherheit hatte Ali Jarrah schon einmal wegen seiner Mitgliedschaft in der Gruppe Fatah al-Intifada inhaftiert; doch man ließ ihn wieder laufen. Jarrah kehrte in seine Heimatstadt Al-Marj ins westliche Bekaa-Tal zurück und setzte nach geraumer Zeit seine Spionagetätigkeit fort.

Die Agentenbrüder sind, und das ist ein Leckerbissen für Verschwörungstheoretiker, direkt verwandt mit Ziad Jarrah, jenem libanesischen Attentäter, der angeblich am 11. September 2001 den Flug 93 der United Airlines kommandierte, ehe die Boeing 757-22 nahe Shanksville (Pennsylvania) in ein Feld krachte und wobei alle 44 Insassen starben. Die Familie wies das mehrfach und energisch von sich: Ziad sei lediglich ein unschuldiger Passagier gewesen.

Im Juni 2006 war dem Militärgeheimdienst der letzte große Schlag gegen den Mossad gelungen. Mahmoud Rafeh, ein 59-jähriger ehemaliger libanesischer Polizeioffizier, wurde festgesetzt. Der hatte Mahmoud Majzoub, einen Offiziellen des Islamischen Dschihad, und dessen Bruder in Sidon per Autobombe getötet. Zwei weitere Attentate aus den Jahren 1999 und 2003, bei denen Hisbollah-Angehörige exekutiert worden waren, gehen ebenso auf sein Konto wie die Ermordung Jihad Jibrils, des Sohnes von Ahmed Jibril, Führer der PFLP-GC im Jahre 2002. Rafehs Mittäter Hussein Khattab entkam. Ein Gerücht besagt, der Mossad habe ihm während des Libanonkrieges im Sommer 2006 geholfen, in palästinensischen Territorien unterzuschlüpfen.

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