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Knabes Welt

Klaus Joachim Herrmann über Allgemeingültiges aus dem Knast

Die Gedenkstätte Hohenschönhausen, das frühere Gefängnis unter Regie der DDR-Staatssicherheit, ist sehr gut besucht. Für den Chef des Museums ist die Erklärung für Anziehungskraft einfach. Hubertus Knabe sagt, dieser Ort habe wie kaum ein anderer in Deutschland die bedrückende Atmosphäre der SED-Diktatur bewahrt.

Zeitgenössisches Bohnerwachs und sein spezifischer Geruch ist da nur ein Aspekt. Insgesamt erscheint das Schrecklichste wohl gerade gut genug, um aus einer spezifischen und damit zwangsläufig eingeschränkten Sicht Allgemeingültigkeit zu beschwören. Die stimmt nur bedingt, denn jederzeit düster, bedrückend und furchtbar erscheinen Geschichte und Geschichten aus der Sicht einer Gefängniszelle. Das Venedig der Bleikammern, das Frankreich der Bastille, die Sowjetunion der Lubjanka, das Chile des Stadions, das Deutschland Stammheims oder die USA Guantanamos – furchtbare Realitäten und mörderische Höllen. Aber umfassende, allgemeingültige und schon gar vollständige Wahrheiten über Länder und Völker, Staaten und Ordnungen bieten auch sie nicht.

Ist es bei Hohenschönhausen anders? »Viele Besucher begreifen erst an diesem Ort, was es bedeutete, in einer kommunistischen Diktatur zu leben«, sagt Historiker Knabe. Kaum, denn auch dieser Ort offenbart nur Teile, nicht das Ganze. Ein Museum ist eben auch bevorzugt die Welt seines Direktors.

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