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Welche Körnung braucht Koks?

Im Weddinger Brunnenviertel fängt Drogenprävention bereits in der Grundschule an

Der Polizist Dietmar Schurian nennt die U 8 auch die »Kokainlinie«.
Der Polizist Dietmar Schurian nennt die U 8 auch die »Kokainlinie«.

Lehrer wie Polizisten waren gleichermaßen erschrocken, welch detailliertes Wissen bereits Grundschulkinder im Weddinger Brunnenviertel über Drogen haben. Wenn Dietmar Schurian vom Polizeiabschnitt 36 von einem Kind hört, »welche Körnung Kokain haben muss, um die Nasenscheidewände nicht zu verletzen«, dann läuten bei ihm die Alarmglocken.

Cornelia Flader, Lehrerin an der Heinrich-Seidel-Grundschule, dagegen gesteht sich eine fehlende Nähe zur Lebenswelt der Kinder ein, weil sie wie viele ihrer Kollegen nicht im Brunnenviertel wohne. Sie wisse oftmals nicht, was die Kinder außerhalb der Schulzeit bei ihren älteren Geschwistern sehen oder hören und auf der Straße erleben.

Seit Beginn des neuen Schuljahres im Juli geht die Polizei nun an die Schulen. »Mit der Präventionsarbeit müssen wir bereits bei den Kindern ansetzen«, erklärte Dietmar Schurian gestern bei der Präsentation der Kampagne »Wir lassen uns nicht betäuben!«. Unterstützt wird die polizeiliche Drogenaufklärung von anderen gesellschaftlichen Projekten und Initiativen aus dem Wedding, darunter auch der Verein »Drogen Info«, dem ehemalige Konsumenten angehören.

Zusammen mit den Polizisten diskutieren Mitglieder von »Drogen Info« in den Klassen mit Schülerinnen und Schülern. In den Schulen findet das Projekt offene Arme. »Wir versuchen unsere Schüler zu einem positiven Körpergefühl anzuhalten. Schlimm ist es für die Kinder, wenn sie in ihrer unmittelbaren Umgebung mit Drogen- oder Alkoholmissbrauch konfrontiert werden«, meinte Cornelia Flader.

Doch auch außerhalb der Schulzeit gibt es mittlerweile Bemühungen, auf Kinder und Jugendliche einzuwirken. Zweimal in der Woche sind Streetworker von »CoolSteps« im Brunnenviertel unterwegs und suchen den Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen. »Manchmal gelingt es uns, einen Jugendlichen aufzurütteln, bevor er vor seinen Problemen kapituliert«, sagte die Streetworkerin Mona Jahja, die eng mit dem Quartiersmanagement in der Ackerstraße zusammenarbeitet. »Dafür sind wir da«, resümiert die 29-jährige Marokkanerin. CoolSteps leistet präventive Jugendarbeit und versucht, den Jugendlichen Alternativen zur Straße zu bieten.

Auch Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD) ist sich über die Drogenproblematik im Wedding bewusst. Immer wieder würden die Abhängigen zwar von der Polizei von ihren Plätzen vertrieben, damit die Szene dort nicht wachsen könne, erzählte er ND. Aber dann tauchten sie anderswo halt wieder auf. »Wir raten den Bürgern natürlich, dass sie die Hauseingänge verschlossen halten sollen«, erzählt Hanke. Denn häufig sind die Höfe Rückzugsgebiete für Dealer wie Konsumenten. Aber all dies könne das Problem natürlich nicht lösen, das weiß Hanke und steht deshalb dem Versuch der Polizei wie der Streetworker, die Präventionsarbeit leisten, wohlwollend gegenüber.

CoolSteps im Web: kiezboom.de, Quartiersmanagement im Web:
www.stm-ackerstrasse.de

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