Das schwere einfache Wort

ND im Club: »Eva Strittmatter. Leib und Leben« von Irmtraud Gutschke

  • Von Gunnar Decker
  • Lesedauer: ca. 3.5 Min.

Müssen wir vom Leben eines Dichters überhaupt etwas wissen, wir haben doch seine Werke? Der Streit ist alt und hört nicht auf. Hugo von Hofmannsthal schrieb nach Rilkes Tod an dessen Tochter Ruth, er rate ihr, »diese vielen schalen und oft so indiskreten Äußerungen über einen produktiven Menschen und seine Hervorbringungen, dieses verwässernde Geschwätz, zu unterdrücken«. Stefan Zweig konterte, ein Dichter sei »niemals vollkommen erkennbar, wenn man nicht zugleich das Bildnis des Menschen erweckt«.

Letzteres trifft auf Eva Strittmatter (und ihr Leben mit Erwin Strittmatter) in besonderer Weise zu. Ihre Texte suchen keine Distanz, sondern Nähe, wollen nicht Kälte produzieren, sondern Wärme. Doch weil die Arbeit des Schreibens ganz eigenen Gesetzen folgt, zumeist ein einsames Montieren von Worten ist, blieb Melancholie nicht aus. Gedichte sind nicht Wünsche oder Träume, auch keine Gefühle, die man anderen mitteilt. Das wäre banal, vielle...


Wenn Sie ein Abo haben, loggen Sie sich ein:

Mit einem Digital-, Digital-Mini- oder Kombi-Abo haben Sie, neben den anderen Abo-Vorteilen, Zugriff auf alle Artikel seit 1990.

Bitte aktivieren Sie Cookies, um sich einloggen zu können.