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Die Luxusparty ist vorbei

Aktuelle Wirtschaftskrise und langjährige Geldverschwendung bedrohen Klubs der englischen Liga

  • Von Axel Reiserer, London
  • Lesedauer: 3 Min.

Im 17. Jahr ihres Bestehens ist die englische Premier League alles andere als zum Feiern gestimmt. Im Kampf um die Meisterschaft zeichnen sich die Spitzenteams vor allem durch matte Unentschieden gegen Nachzügler aus, sodass es fast scheint, als wolle heuer niemand Meister werden. Den Tabellensiebten Wigan trennen nur zehn Punkte vom Letzten West Bromwich. Der Abstiegskampf verspricht besonders brutal zu werden.

Noch härter allerdings wird für immer mehr Klubs der Kampf ums Überleben. »Wir sind in dem härtesten Wirtschaftsklima aller Zeiten, und das wirkt sich unweigerlich auch immer mehr auf den Fußball aus«, sagt Bankier Keith Harris. Er weiß, wovon er spricht, denn Harris hat in den vergangenen Jahren bei fast allen großen Übernahmen seine einträgliche Rolle gespielt.

Damit ist es nun vorbei. Trotz eines Fernsehvertrags, der den 20 Klubs der englischen Premier League für die Spielzeiten 2007/08 bis 2009/10 insgesamt 2,7 Milliarden Pfund (2,8 Milliarden Euro) garantiert, werden ihre Schulden auf insgesamt 1,7 Milliarden Pfund geschätzt. Ein neuer Vertrag ab 2010 wird derzeit ausgehandelt, doch schon jetzt ist klar: »Die Zeit, den Gürtel enger zu schnallen, ist gekommen«, so Harris.

Das schlägt bereits auf die aktuelle Transferperiode im Januar durch. Allein Manchester City ist dank der Öl-Milliarden von Besitzer Scheich Mansour bin Zayed Al Nayan in schlechter alter Tradition aktiv, und kann es sich beispielsweise leisten, den Edelreservisten Wayne Bridge von Chelsea nicht nur für 12 Millionen Pfund zu erwerben, sondern ihm auch noch 100 000 Pfund in der Woche zu bezahlen. Es sind derartige Summen, die mehr als alles andere die englische Liga in die Krise getrieben haben.

Manchester City, Dreizehnter in der Tabelle und nur zwei Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt, hat nach Berechnungen des Fachmagazins »Four Four Two« mittlerweile den reichsten Besitzer. Chelseaeigner Roman Abramowitsch, der vor fünf Jahren die Übernahmewelle losgetreten hatte, ist nach Milliardenverlusten nur mehr Dritter auf der Liste – wo nach Verlustpunkten auch sein Team in der Tabelle liegt. Trotz einer bisher enttäuschenden Saison hat er seinem Verein nun einen strikten Sparkurs verordnet. Trainer Luiz Felipe Scolari wurde Bescheidenheit verordnet, der Brasilianer muss zähneknirschend erklären: »Ich bin zufrieden mit dem, was ich habe. Punkt.« Wobei »Punkt« im Portugiesischen meist »Basta« bedeutet und gemeinhin Verärgerung ausdrückt.

Sein Engagement bei Chelsea hat den russischen Oligarchen bisher rund eine Milliarde Pfund gekostet. Die Aussichten, auch nur einen Bruchteil zurückzubekommen, sind allerdings düster. Traditionsvereine wie Tottenham, Everton oder Newcastle stehen alle zum Verkauf an, finden allerdings keine Abnehmer.

Wenn überhaupt ein Verein der Premier League eine Chance auf einen neuen Investor hat, dann ist es West Ham United aus dem Londoner Osten. Hier ist die »Not« scheinbar am größten: Der isländische Klubeigentümer Bjorgolfur Gudmundsson will den Verein dringend für 250 Millionen Pfund loswerden, um seinen Bankrott abzuwenden. Experten halten einen Kaufpreis von 100 Millionen Pfund für realistisch. In der Zwischenzeit verkauft West Ham wie andere schuldengeplagte Vereine (etwa Portsmouth oder Newcastle) Spieler um Spieler.

Aufatmen konnte in dieser Woche hingegen Tabellenführer Liverpool: Die Gläubigerbanken stimmten der Stundung eines 350- Millionen-Pfund-Kredits bis Ende Juli zu. Zumindest bis zum Abschluss der Meisterschaft, die Liverpool erstmals seit 19 Jahren gewinnen könnte, ist damit der Fortbestand gesichert.

Der einzige Verein, der den »Reds« im Frühjahr wohl ernsthaft gefährlich werden wird, ist Meister Manchester United, der nach Verlustpunkten in der Tabelle trotz konstant schwacher Leistungen nur einen Punkt zurückliegt. Am Sonntag steht das Spitzenduell mit Verfolger Chelsea London an. Doch selbst in Manchester werden nun kleinere Brötchen gebacken: Einzige Neuerwerbung im Januar soll der Serbe Zoran Tosic bleiben.

Apropos kleinere Brötchen: Die verwöhnten Chelseastars um Kapitän Frank Lampard, der mit einem Wochengehalt von 140 000 Pfund an der Spitze der Gehaltsliste der Londoner steht, müssen neuerdings ihr Mittagessen in der Klubkantine selbst bezahlen.

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