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Dramatische »Wachstumsdelle«

In Bremerhaven werden durch die Wirtschaftskrise erheblich weniger Autos umgeschlagen

  • Von Detlef Kolze, Bremerhaven
  • Lesedauer: 2 Min.
Besonders die Autoindustrie machte in den vergangenen Wochen durch negative Meldungen auf sich aufmerksam. Entlassungen, Kurzarbeit, verlängerte Werksferien – eine Ende der Krise ist nicht in Sicht. Auch deutsche Autoumschlagplätze, beispielsweise in Bremerhaven, spüren die Folgen.

Der vom Erfolg verwöhnte Bremerhavener Autoumschlag sorgte zum Ende des Jahres 2008 für ungewöhnliche Schlagzeilen: Fast 100 000 Fahrzeuge stauten sich auf immer weiter wachsenden Flächen im Hafen, und der Abtransport stockte. »Mit dieser Spitze waren wir am Rande unserer Möglichkeiten«, bestätigt Bernd Kupke von der Geschäftsführung der BLG Logistics Group. »Das war ein absoluter Rekord.«

Schon seit August vergangenen Jahres registrierte die BLG sinkende Zahlen beim Fahrzeugumschlag im Bremerhavener Überseehafen. Ursache dafür sind die wachsenden wirtschaftlichen Probleme im Zusammenhang mit der weltweiten Finanzkrise, die die Autoindustrie und damit den Autoabsatz relativ früh getroffen hat. Lange Zeit setzte BLG-Chef Detthold Aden darauf, dass es sich nur um eine »Wachstumsdelle« handeln werde. Er versicherte ausdrücklich, dass keinerlei Entlassungen unter den rund 450 BLG-Beschäftigten im Autoumschlag geplant seien. Die fehlende Arbeit könne voraussichtlich durch »flexible Arbeitszeitsysteme« abgefedert werden.

Allerdings wurde im Verlauf der letzten Wochen des Jahres deutlich, dass die »Wachstumsdelle« erheblich dramatischer ausfallen wird, als zunächst gehofft. »Das erste Quartal 2009 wird für uns eine Durststrecke mit einem Umschlagsrückgang von bis zu 25 Prozent«, erklärte Aden kürzlich gegenüber der Presse. Die BLG rechne aber weiterhin mit einer »allmählichen Normalisierung der Automärkte«. Für das Jahr 2007 steht laut BLG mittlerweile fest, dass der Bremerhavener Rekord mit mehr als zwei Millionen umgeschlagenen Fahrzeugen nicht erreicht werden konnte.

Eine vorübergehende Entspannung der Lage auf den Bremerhavener Autoterminals bringen die langen Werksferien der großen Autokonzerne, die noch bis Mitte Januar weitergehen. Zur Zeit befänden sich in Bremerhaven etwa 85 000 Fahrzeuge im Bestand, sagt BLG-Geschäftsführer Kupke. Diese Zahl entspricht nach seinen Angaben annähernd den üblichen 80 000 Einheiten, die vor dem Export und nach dem Import vorübergehend im Hafengebiet abgestellt werden.

Auch wenn nach Kupkes Einschätzung die »extreme Situation« vorerst durchgestanden ist, könne natürlich keine Rede davon sein, dass damit auch die Krise erledigt sei. Sichere Prognosen über die wirtschaftliche Entwicklung des Jahres 2009 sind nach Auffassung aller Experten aktuell nicht möglich. »Wir müssen die konkrete Situation abwarten«, gesteht auch Kupke ein.

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