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Der Multifunktionsheld

Stauffenberg: Das ZDF will »Die wahre Geschichte« bringen

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Stauffenberg, l., gespielt von Peter Becker, r. Fotos: ZDF/Oliver Halmburger
Stauffenberg, l., gespielt von Peter Becker, r. Fotos: ZDF/Oliver Halmburger

Wenn Guido Knopp Reichsdeutsche rein wäscht, tut er das am liebsten mit dem populärsten aller Gegner Hitlers: Stauffenberg. Nun erzählt das ZDF heute und am 20. Januar, jeweils um 20.15 Uhr, »Die wahre Geschichte«.

Schön wie der Tag, hart wie Kruppstahl, prinzipientreu bis aufs Schafott und dann dieser Name: Stauffenberg, ein Klang wie Donnerhall, Inbegriff deutscher Anständigkeit, heroisch durch und durch. Ein Mensch, so überhöht, dass der kleine Tom Cruise in »Operation Walküre« permanent auf hohen Hacken oder Hockern steht, um die Größe des Gepriesenen nicht zu schmälern. So ehrbar, dass ihm Sebastian Koch im Dokudrama des Stauffenberg-Gedächtnisjahres 2004 eine Mixtur aus Selbstzweifel, Standhaftigkeit und Ethos verpasste. So apotheotisch, dass sein Darsteller Peter Becker in der neuesten Huldigung »Stauffenberg – Die wahre Geschichte« in gleißendes Licht entschwindet, als er seine Familie zum Attentat am 20. Juli 1944 durch die Haustür verlässt.

Würde der Bundespräsident direkt gewählt, hätte einer wie Claus Schenk Graf von Stauffenberg reelle Chancen aufs höchste Amt im demokratischen Staat. Er hätte ihn ohne Zweifel gehasst. Und diese Inszenierung eines zutiefst klassistischen Antisemiten zum humanistischen Freund aller Lebewesen außer Hitler ist Ergebnis einer lang anhaltenden, langfristig ausgelegten, langsam unheimlichen Kampagne. Angestoßen von keinem mehr als dem TV-Historiker Guido Knopp, dem ein gehöriger Schub Geschichtsinteresse im Land zu danken ist. Darüber hinaus aber hat die ZDF-Redaktion Zeitgeschichte des Professors in 25 Jahren alles daran gesetzt, die Generation Großdeutschland zu exkulpieren. Hitler, Hitler und nochmals Hitler bilden den Fernsehstoff, aus dem der Mythos des verführten, verfolgten, vernebelten Volkes gewoben war. Und sein Hauptverführter, Hauptverfolgter, Hauptvernebelter ist: Stauffenberg. Nur das der den Absprung schaffte vom Fan des Tyrannen zum Racheengel. Ein Multifunktionsheld, auch im neuen Film ausgiebig belobigt von diversen Zeitzeugen, Nachstellungen, Dokuschnipseln: Kultiviert, belesen und nobel sei er gewesen. Ein attraktiver Schöngeist mit Augenklappe, der sich trotz Kriegsversehrung dem Bösen stelle. Ein fröhlicher und geselliger Kamerad, strenger, aber toller Vater, theoretisch gebildeter wie kräftig zupackender Aristokrat. Adel verpflichtet. Nichts Neues also, alles schon oft besungen, von Knopp und anderen.

Was also am aktuellen Zweiteiler wahrer sein soll, als am gestreuten Kenntnisstand, bleibt schleierhaft. Immerhin – wir sehen verschiedenste Facetten eines langen Entwicklungsprozesses vom glühenden Nazi zum soldatischen Skeptiker. Dazu Nachstellungen seiner Hochzeit in Bamberg, des Einsatzes im Afrikakorps, das Attentat in der »Wolfsschanze« aus kreativen Perspektiven und den gescheiterten Putsch im Detail. Filmtechnisch auf höchstem Niveau, das ist man aus der durchfinanzierten Redaktion nicht anders gewohnt. »Die Zeit« hat diese Art Sachunterhaltung völlig zu Recht als »Entschuldung durch konsequente Entpolitisierung« genannt. Bei Knopp wird Hitlers Tausendjähriges Reich stets zum Hollywoodstoff aus Babelsberg. Auch Stauffenbergs »wahre Geschichte« liefert Emotionalisierung vor historischer Kulisse, Heldenproduktion in einer zweifarbigen Welt, deren schwarze Seite stets Hitler (Krieg, Gräuel, Plan, Clique) vorweg trägt und deren weiße keine Flecken duldet.

»In gewisser Weise hat er sich zu Beginn von Hitler täuschen lassen« – so arglos klingt es im Film, wenn der Stauffenberg-Biograph Peter Hoffmann sein Steckenpferd allzu-menschlich zeichnet. »Er hat gezeigt, dass nicht alle Deutschen stramme Nazis waren« – so redundant formuliert es Stauffenbergs Tochter Konstanze an gleicher Stelle. »Der Graf war deutsch-national, nie Nazi« – diese Unterteilung empfiehlt sein ideologischer Bruder im Geiste Knopp. »Wir atmen etwas freier, weil es ihn gegeben hat.« Dass der so Gelobte nach seinem sehr plastisch verfilmten Attentat bestenfalls eine Monarchie geduldet hätte im Vaterland; dass er seinen Stand für den besseren qua Geburt hielt und Hitler vor allem wegen seiner militärischen Strategie hassen lernte – dafür bleibt kaum Raum im Zweiten.

Absurd«, nennt es Experte Hoffmann, dass Stauffenbergs verbriefte Worte, das »zerlumpte Judenvolk im Osten fühlt sich nur unter der Knute wohl«, rassistisch oder antisemitisch waren. Eine Erklärung dieser Behauptung fordert Regisseur Oliver Halmburger nicht ein. So wahr soll die Geschichte auch wieder nicht werden. Zum Feierabend reicht ein gut gemachter Heldenstoff.

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