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Das Ende der Rohstoffhausse

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Fünf Jahre Wachstum gingen 2008 bei den Rohwaren zu Ende. Ab Juli gaben die Preise für Kupfer, Aluminium, Kaffee, Weizen und Co. an den internationalen Rohstoffbörsen langsam nach. Bis Jahresende waren bei den allermeisten Rohwaren deutlich mehr als die Zuwächse von 2008 futsch.

Auf 250 Millionen US-Dollar hat Kubas Wirtschaftsminister José Luis Rodríguez die Einbußen durch die Talfahrt des Nickelweltmarktpreises im Laufe des Jahres 2008 taxiert. Vom Langzeithoch von knapp 55 000 US-Dollar pro Tonne sank der Preis für das Industriemetall zum Jahresende auf nur noch 11 000 US-Dollar. Eine für die Kubaner äußerst schmerzliche Talfahrt, denn Nickel ist das wichtigste Exportprodukt. Vor allem die nachlassende Nachfrage der Baubranche ist dafür verantwortlich. Mit Nickel veredelter, nichtrostender Stahl ist kaum mehr gefragt, wie es der Stopp einer ganzen Reihe von spektakulären Bauten, seien es Wolkenkratzer in Moskau oder Kuala Lumpur, illustriert.

Doch nicht nur beim Nickel fällt der Einbruch der Weltmarktpreise dramatisch aus. Auch bei Kupfer pendelte der Preis zum Jahresende 2008 nur knapp über dem Langzeittief und ist weit entfernt von den Höhenflügen von Anfang 2008, als Kupfer auch in Deutschland immer öfter in den Fokus von Langfingern geriet, die Kupferleitungen, -dächer und -lager abräumten. Bei Aluminium, Blei, Zinn und Zink gingen die Preise in den Keller und bescherten den wichtigsten Bergbaunationen, wie Peru, Kanada, Australien und Chile, einen herben Knick in der Jahresbilanz. Die Hausse ist vorerst vorbei und nach rund fünf Jahren mit galoppierenden Preisen müssen die Rohwarenlieferanten wieder kleinere Brötchen backen.

Das gilt genauso für die Anbieter von Nahrungsmitteln, denn auch da gab es deutliche Kurskorrekturen im Laufe des Jahres. Bei Weizen, Mais und Sojabohnen gaben die Preise nach einem zuvor steilen Anstieg ebenfalls deutlich nach, wenn auch nicht ganz so deutlich wie bei Industriemetallen. Für den Konsumenten wären dies positive Nachrichten, denn eigentlich sollten die Preise bei Brot, Nudeln und Co. wieder fallen – falls die Hersteller die niedrigeren Beschaffungspreise für die Rohwaren denn weitergeben würden. Verlierer sind die großen Agrarnationen wie die USA, Argentinien und Brasilien, die mit Getreide, Fleisch und Zucker auf den Weltmarkt drängen.

Ein Grund für den Boom bei den Agrargütern war allerdings auch die Ausweitung der Biotreibstoffproduktion. Die erhielt im zweiten Halbjahr 2008 dadurch einen gehörigen Dämpfer, dass der Erdölpreis auf Talfahrt ging und die Produktion von Bioethanol nicht mehr so rentabel war wie zuvor.

Wesentlich geringer fielen die Kurskorrekturen bei Kaffee, Kakao und Zucker aus. Die großen Spekulanten beschäftigen sich weitaus stärker mit Industriemetallen; Kaffee, Kakao und Zucker wurden erst spät in die Rohwarenfonds der Banken aufgenommen. Die Notierungen bei diesen Agrarrohstoffen zeigten sich deshalb recht stabil. Und der Preis für Kakao lag Ende 2008 rund 40 Prozent über dem vom Jahresende 2007, was auf das relativ niedrige Angebot zurückzuführen war.

Generell scheint der Boom bei den Rohwaren jedoch vorerst vorbei, auch wenn die Talfahrt in den vergangenen Wochen deutlich an Tempo verloren hat. Die Aussichten sind unklar: So macht die Weltbank in ihren »Global Economic Prospects« den Exporteuren wenig Mut und prognostiziert niedrigere Preise auf längere Sicht, während andere Analysten eine graduelle Erholung in absehbarer Zeit für wahrscheinlich halten.

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