Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Indische Drohung: »Alle Optionen offen«

Pakistan muss in Sachen Mumbai kooperieren

  • Von Hilmar König, Delhi
  • Lesedauer: 3 Min.
Indien ist entschlossen, Pakistan

wegen des Terrorschlags vom

26. November 2008 in Mumbai zur Verantwortung zu ziehen. Islamabad hingegen tut sich schwer, wenigstens die Fakten anzuerkennen.

Nach einer Reihe terroristischer Überfälle, deren Hintermänner in Pakistan saßen, aber nie belangt wurden, zeigt sich die indische Regierung im Fall des Überfalls von Mumbai, dem über 170 Menschen zum Opfer fielen, unnachgiebig. Außenminister Pranab Mukherjee schloss zwar ein Vorgehen, wie es Israel in Gaza demonstriert und wie es indische »Falken« fordern, aus. Doch er wiederholte dieser Tage: »Alle Optionen sind offen.« Armeechef Deepak Kapoor schlug Mitte der Woche in die gleiche Kerbe, als er vor »Kriegshysterie« warnte, als letztes Mittel aber die »kämpferische Option« gegen grenznahe pakistanische Einheiten nicht ausschloss. Pakistans Armeechef Ashfaq Parvez Kayani konterte, seine Soldaten seien für alle Fälle gerüstet. Die Gefahr eines Krieges scheint also nicht gebannt.

Indiens Innenminister Panialapam Chidambaram nannte in der Londoner »Times« Alternativen: »Es bestehen viele Verbindungen zwischen Indien und Pakistan. Wenn Pakistan nicht kooperiert, werden diese Beziehungen schwächer und schwächer. Und eines Tages zerbrechen sie.« Das entspräche etwa den Vorstellungen von zehn ehemaligen indischen Spitzendiplomaten, die in einer Erklärung forderten, die diplomatischen Beziehungen zu Pakistan herabzustufen, Verhandlungen auszusetzen, Verträge zu überprüfen und Boykottmaßnahmen zu ergreifen. Für die Altbotschafter steht fest, dass die Mumbai-Attacke »mit Wissen und Unterstützung von Teilen des pakistanischen Militärs und des Geheimdienstes ISI erfolgte.« Islamabad nutze »weiterhin Terrorismus als Instrument staatlicher Politik«.

Delhi erwartet von der pakistanischen Regierung, dass sie den Solidaritätsbekundungen endlich Taten folgen lässt. Internationaler Druck – vor allem aus den USA – zwang die Regierung in Islamabad bereits zu verschiedenen Maßnahmen. Innenminister Rehman Malik verkündete am Donnerstag, nach der Mumbai-Tragödie seien mehr als 100 Personen mit Verbindungen zur verbotenen militanten Organisation Lashkar-e-Taiba oder deren Nachfolger Jamat-ud-Dawah (JuD) festgenommen oder unter Beobachtung gestellt worden. 20 Büros, 87 Schulen und 13 Notlager der JuD seien geschlossen worden. Eine Kommission der Bundesuntersuchungsagentur FIA werde sich mit den Hintergründen der Vorgänge in Mumbai befassen, man werde Indien bei der Aufklärung helfen.

Unübersehbar aber tut sich Islamabad schwer, die »pakistanische Verbindung« zum Terrorüberfall auf Mumbai anzuerkennen. Zunächst wurde bestritten, dass der einzige überlebende Terrorist pakistanischer Staatsbürger ist. Der Sicherheitsberater des Premiers, der die Medien davon informierte, dass es sich doch um einen Pakistaner handelt, wurde umgehend entlassen. Erst auf diese Enthüllung folgte die offizielle Bestätigung. Dann traf aus Delhi ein Dossier über den Ablauf der Ereignisse in Mumbai ein, an dem das US-amerikanische FBI mitgewirkt hatte. »Nicht glaubwürdig«, hieß es dazu in Pakistan. Premier Jusuf Raza Gilani sagte, es handle sich nicht um Beweise, sondern nur um »Informationen«, was die pakistanischen Medien so interpretierten, als seien diese ziemlich wertlos.

Pakistan steckt in einem Dilemma. Einerseits erlebt es selbst Serien von Terrorakten. Andererseits fürchtet es, international als »Brutstätte« von Terroristen gebrandmarkt zu werden. Egal wo sie zuschlagen, die Täter kommen aus den gleichen Kreisen. Ihnen das Handwerk zu legen, wäre auch für Pakistan ein Gewinn.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln