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Gratislektion in Verbändekunde

Massive Protestaktionen: Tausende Landesbeschäftigte im Nordosten auf der Straße

  • Von Velten Schäfer, Schwerin
  • Lesedauer: 2 Min.

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Selbst im ruhigen Mecklenburg-Vorpommern konnten die Gewerkschaften Stärke zeigen. Jede zweite Schule blieb geschlossen.

Lehrer können nicht aus ihrer Haut, auch beim Demonstrieren nicht. Vor dem Schweriner Finanzministerium halten sie Lehrsätze wie »Wer Minus-Reallohn säht, wird Streik ernten« in den kalten Februarwind und lassen sich vom Podium ein ums andere Mal bescheinigen, dass ihr Protest nicht nur eine Kundgebung sei, sondern »gelebter Unterricht in Sachen Demokratie«.

Dem konnte nur zustimmen, wer sich die Kundgebung ansah. Dort war zumindest eine Gratislektion in Berufsverbändekunde zu haben: Neben den DGB-Gewerkschaften GEW, ver.di und GdP, war auch der Deutsche Beamtenbund und der Verband Bildung und Erziehung (VBE) vertreten – nebst eher unbekannten Organisationen wie dem Verband Deutscher Straßenwärter (VDStra).

Auch Finanzministerin Heike Polzin kann den Lehrberuf kaum verhehlen, als sie zu den 3000 Demonstranten spricht: Bei allem berechtigten Unmut, so das langjährige GEW-Mitglied, müsse man doch die Gegebenheiten in Betracht ziehen; bereits die 2003 vereinbarte Lohnangleichung im Osten, die im übernächsten Jahr greifen soll, koste das Land 88 Millionen Euro. Und die auf der Kundgebung viel gescholtenen Rettungsschirme für Banken und Banker seien doch unumgänglich, »lassen Sie sich das mal durch den Kopf gehen!«

Viel weiter kommt die Ministerin freilich nicht, denn in diesem Moment fällt ihr nicht nur das Martinshorn vom mit Protestfahnen bepflanzten Feuerwehrwagen ins Wort, sondern auf der Bühne auch Jochen Penke, Fachbereichsleiter bei ver.di-Nord: »Das ist eine Unverschämtheit!«

Eigentlich ist es für Gewerkschaften eher riskant, im schwach organisierten Nordosten die Muskeln zeigen zu wollen. An diesem Vormittag ist es anders: Die Mobilisierung über die Verbandsgrenzen hinweg zeigt Stärke. Jede zweite Schule ist geschlossen, insgesamt sollen im Land zehntausend Landesbeschäftigte auf der Straße sein.

Besonders bei den Lehrern, die das Gros der Schweriner Kundgebung stellen, hat sich viel Ärger angestaut. Sie leiden nicht nur unter dem Lohnabschlag Ost von noch immer 7,5 Prozent und darunter, im Gegensatz zum Westen kaum verbeamtet zu werden, sondern auch unter einem weiteren Ost-Spezifikum: Ein Großteil arbeitet in Teilzeit, ohne das zu wollen. Auf diesem Weg hatte einst die rot-rote Landesregierung angesichts sinkender Schülerzahlen Entlassungen verhindern wollen. All das macht den Lehrerberuf in Mecklenburg-Vorpommern unattraktiv, klagt GEW-Landeschefin Annett Lindner. Dabei braucht das Land dringend neue Lehrer: Über ein Drittel von ihnen hat die 50 bereits überschritten, in den Berufsschulen mehr als jeder zweite.

Schließlich kann Polzin doch weiterreden. Sie kündigt eine Einigung »noch im Februar« an, obwohl es noch nicht mal ein Angebot gibt. Ilse Schaad, Verhandlungsführerin der GEW, widerspricht nicht, legt die Latte aber hoch: Ein »schnelles Ja« werde es nicht geben. »Jetzt sind wir dran!«

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