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Geplapper bleibt draußen

Berliner Autoren lesen am Kollwitzplatz

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Wenn heute Abend die Literaten Tilman Rammstedt und Tobias Hülswitt am Holztisch im Theater O.N. sitzen, dann ist die Atmosphäre noch genauso wie am ersten Salonabend vor fünf Jahren. Adolph Endler eröffnete damals die Veranstaltungsreihe mit einer Lesung aus seinem Roman »Tarzan am Prenzlauer Berg«. Und auch ein Hauch jener Zeit, über die Endler geschrieben hat, ist geblieben. In den 80er Jahren waren die Straßen rund um den Kollwitz- und Helmholtzplatz ein lebendiges Künstlerviertel, und Lesungen fanden im überschaubaren Kreis in Wohnungen statt.

Der Literatursalon am Kollwitzplatz ist ein Überbleibsel und kann auf ein traditionsreiches Erbe blicken. Als Pendant zur Zeitschrift »neue deutsche literatur« gegründet, stellte der Verlag Schwarzkopff Buchwerke das renommierte Magazin schon nach einem Jahr wieder ein. Der Salongastgeber Martin Jankowski, selbst Schriftsteller, hat jedoch seine monatlichen Veranstaltungen fortgeführt.

Ein Literatursalon funktioniere anders als eine Lesebühne, von denen es viele in der Stadt gebe, erzählt Jankowski. »Da sitzen Woche für Woche die gleichen Autoren auf dem Podest und lesen pointierte Alltagsgeschichten vor.« Das sei literarisches Kabarett und aller Ehren wert, aber die »neue deutsche literatur« habe kein solches Entertainment gebraucht. Auch den Literaturhäusern wollte er keine Konkurrenz machen. Also schlug Jankowski den Weg des literarischen Salons ein, der so geistreich wie eine Lesung im Hochkulturhaus sein sollte und so ungezwungen wie die Stimmung auf einer Lesebühne.

Das Konzept ging auf: In den letzten fünf Jahren kamen Dutzende Literaten zu den monatlichen Salonabenden. Unabhängig von dem Programm gibt es ein treues Stammpublikum von Dichtern, Studenten, Verlegern und Neugierigen. Martin Jankowski, der schon vor der Wende in seine Leipziger Einraumwohnung Künstler eingeladen hat, pflegt das unaufdringliche Gespräch mit seinen Gästen. Oft ist das eine Unterhaltung zweier Literaten über Lieblingsbücher und Lebensarten, die den Kosmos für die Lesung eröffnet. Fast beiläufig entstehen dabei literarische Porträts der lesenden Gäste.

Der Salon gibt Poeten ein Podium, auf dem das Geplapper über die Vermarktung im Literaturbetrieb außen vor bleibt. Darauf legt Martin Jankowski Wert. Es wird sich unterhalten und vorgelesen. Punkt. Das ist zeitlos und knüpft mühelos an alte Salonkultur an.

Heute 20 Uhr, Literatursalon am Kollwitzplatz, Theater O.N., Kollwitzstraße 53, Prenzlauer Berg

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