Kesselschlacht gleich Holocaust?

Romani Rose und Hannes Heer über Vernichtung und Vertreibung, Schuld und Verantwortung

Von Vertreibungen und Vertriebenen ist dieser Tage hierzulande wieder viel die Rede. Ein Dokumentationszentrum soll in Berlin entstehen. Und jüngst gab es Streit mit Polen um die Besetzung des Stiftungsrates »Flucht, Vertreibung, Versöhnung«. Anlass für ND, Romani Rose (Jg. 1946), Vorsitzender des Zentralrates der Sinti und Roma in Deutschland, sowie den Historiker Hannes Heer (Jg. 1941), Initiator und Leiter der Ausstellung »Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944«, zu befragen. Romani Rose verlor 13 Familienangehörige in NS-Vernichtungslagern. Hannes Heer gehört zu jener Generation, die in den 60er Jahren nach Schuld und Verstrickung der Väter und Großväter fragten. Das hier in Auszügen dokumentierte öffentliche Gespräch im Gebäude der ND-Redaktion führte Karlen Vesper.

Romani Rose

ND: Herr Rose, haben Sie den Eindruck, dass sich die Deutschen heute allzu sehr als Opfer präsentieren? Opfer des »Bombenterrors« der Alliierten und »unrechtmäßiger Vertreibungen«? Die Täter, wie sie Jonathan Goldhagen im Buch »Hitlers willige Vollstrecker« anklagte, sind verschwunden.

Romani Rose: Unrecht kann man nicht ideologisieren. Unrecht empfindet jeder individuell. Jeder hat das Recht, über sein Unrecht zu sprechen. Der Zweite Weltkrieg hat sehr viel Leid über Europa gebracht. Meine Sorge ist, dass durch die jetzigen Diskussionen, die vielen TV-Dokumentationen und Bücher über die Vertriebenen verblasst oder verschwindet, was die Ursache war. Vorangegangen war den Vertreibungen ein Angriffs- und Vernichtungskrieg, der Massenmord an jüdischen Menschen sowie Sinti und Roma im nationalsozialistisch-besetzten Europa.

Und was sagt dazu der Historiker?

Hannes Heer: Vor zehn Jahren hielt Martin Walser in der Frankfurter Pau...

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