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Kein Raum für Anarchie

Technische Universität verweigerte sich linkem Kongress

Schon ein Blick in das Programmheft des von Karfreitag bis Ostermontag geplanten bundesweiten Anarchiekongresses hätte all jene beruhigen können, die Anarchie mit Chaos gleichsetzen. Es sollte über Themen wie eine anarchistisch inspirierte Vereinsgründung oder den Stellenwert von Anarchismus in der Postmoderne debattiert werden. Trotzdem hat die Leitung der Technischen Universität (TU), wo der Kongress tagen sollte, kurzfristig ein Raumverbot ausgesprochen. Jetzt wird dezentral in verschiedenen linken Zentren von Berlin getagt. Anlaufpunkt ist das Stadtteilzentrum New York im Südflügel des Bethanien in Kreuzberg.

Der Allgemeine Studentenausschuss (AStA) der TU, der die Räume beim Uni-Präsidium angemeldet hatte, sieht einen Bruch mit der Geschichte der TU. Dort sei seit Jahrzehnten Platz für kritische Kongresse gewesen, betont AStA-Sprecher Christian Meyer. So tagte 1968 der legendäre Vietnam-Kongress der APO ebenso in Räumen der TU wie elf Jahre später der Tunix-Kongress, der eine wichtige Rolle bei der Herausbildung der westdeutschen Alternativbewegung gespielt hat. Ostern 1995 fand der Autonomie-Kongress, auf dem sich die bundesweite autonome Bewegung über ihr politisches Selbstverständnis austauschte, ebenfalls hier statt.

Auch die Vorbereitungsgruppe des Anarchie-Kongresses stellt sich den Anspruch, eine theoretische Positionsbestimmung der anarchistischen Bewegung voranzutreiben und sie bekannt zu machen. Deshalb habe man auch die TU als Veranstaltungsort gewählt, betont Mareike Schmiedel von der Kongress-Vorbereitungsgruppe.

Sie sieht einen Beweis für die Macht des Springerkonzerns. Die »B.Z.« hatte unter der Überschrift »Chaoten planen TU-Kongress« die Vorlage für das Verbot geliefert. Der ASTA hatte in der Vorwoche die TU-Leitung informiert, dass es sich beim Kongress um ein diskursorientiertes Treffen handelt, das zum Alltagsgeschäft einer aktiven, politisch interessierten Studierendenschaft gehöre.

Wegen der Osterferien war von der TU-Leitung niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

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