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Türkische Verbände pro Ethik

Türkischer Bund, Elternverein und Gemeinde der Aleviten befürworten gemeinsamen Unterricht

60 000 Deutsche türkischer Herkunft leben in Berlin und sind damit beim Volksentscheid der Initiative »Pro Reli« abstimmungsberechtigt, schätzt der Türkische Bund Berlin-Brandenburg. Neben dem Bund gaben gestern der Türkische Elternverein und die Gemeinde der Aleviten die Empfehlung, bei der Abstimmung über die Zukunft des Ethikunterrichts mit »Nein« zu stimmen. Bisher hielten sich die Migrantenverbände in der Diskussion über den Ethikunterricht zurück. »Pro Reli« zählt den Dachverband Türkisch-islamische Union zu seinen Befürwortern.

»Das Eine kann das Andere nicht ersetzen«, sagte Devrim Deniz Nacar, Generalsekretärin des Kulturzentrums anatolischer Aleviten auf der gemeinsamen Pressekonferenz. Der Ethikunterricht müsse für alle Schüler erhalten bleiben, weil er wichtige Werte wie Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität vermittle und sich am Grundgesetz orientiere, so Nacar. Das Fach Ethik bilde ein Fundament für das friedliche Zusammenleben der Berliner. Sie arbeite selbst als Lehrerin in Kreuzberg und beobachte Abgrenzungstendenzen einzelner Schülergruppen aufgrund getrennten Religionsunterrichts. Die Verbände sind der Meinung, dass in einer multireligiösen und multikulturellen Stadt wie Berlin ein gemeinsamer Unterricht zum kulturellen Austausch zwischen den Schülerinnen und Schülern unentbehrlich sei.

»Die Menschen dürfen sich nicht zwingen lassen, sich für oder gegen Religion zu entscheiden, so wie es die Initiative Pro Reli fordert«, erklärte die Vorsitzende des Elternvereins Tülay Usta. Auf Versammlungen seien ihr nie Beschwerden türkischer Eltern über den Ethikunterricht zu Ohren gekommen.

Safter Cinar, Sprecher des Türkischen Bundes, kritisierte die Initiative Pro Reli. »Das Tränendrüsenargument, dass der jetzige Zustand den Schülern zwei zusätzliche Stunden pro Woche aufbürdet, ist lächerlich. Der Mehraufwand für die Schüler ist gering.« Bisher würden viele der Berliner Schülerinnen und Schüler diesen zusätzlichen Religionsunterricht auf sich nehmen, der vom Staat mitfinanziert wird. Überhaupt empfinde er die von Pro Reli ins Leben gerufene Volksabstimmung als überflüssig. Das Bundesverfassungsgericht habe bereits zweimal den verbindlichen Ethikunterricht für zulässig erklärt. Cinar nutzte die Gelegenheit, sich auch dafür auszusprechen, den islamischen Religionsunterricht in Berlin informativ statt bekennend zu gestalten. Islamkunde müsse alle Facetten dieser Religion beleuchten, so Cinar. Die Verbände werden sich mit Infoständen an der Kampagne beteiligen. Eine Plakataktion hätte jedoch ihre finanziellen Möglichkeiten gesprengt, erklärten die Verbandssprecher.

Am Rande der Pressekonferenz kündigte der Sprecher von »Pro Ethik« Gerhard Weil für den heutigen Tag Infostände in der Stadt an. Außerdem werde in U-Bahnen für den Erhalt des gemeinsamen Ethikunterrichts geworben. Für die nächste Woche ist eine Fernsehdiskussion zwischen Gegnern und Befürwortern geplant.

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