Von Norbert Suchanek

Mato Grosso weiter auf Gen-Pfad

Nur einzelne Produzenten steigen aus – Brasiliens Anbaufläche wächst

Auch wenn der europäische Markt Lebensmitteln aus gentechnisch veränderten Pflanzen ablehnend gegenübersteht, weltweit nimmt der Anbau von Gen-Soja zu. Da schien es ein Lichtblick, als unlängst über einen Ausstieg im brasilianischen Mato Grosso berichtet wurde. Doch in der Region ist der Ausstieg eher die Ausnahme.

Erinnern wir uns: 2003. Blairo Maggi, Gouverneur des zentralbrasilianischen Bundesstaates Mato Grosso und weltgrößter Soja-Produzent mit über 200 000 Hektar Anbaufläche hatte transgene Sorten verboten. Doch bereits ein Jahr später schwenkte Maggi um und wurde glühender Gen-Soja-Befürworter. Heute wachsen transgene Sorten auf 44 Prozent der fast sechs Millionen Hektar Sojabohnenplantagen Mato Grossos. Im Vorreiterstaat der Gentechnik, dem südbrasilianischen Rio Grande do Sul, sind es gar 80 Prozent der Soja-Ernte.

Weil die konventionellen Sorten in Mato Grosso derzeit noch bessere Preise erzielten, gebe es zwar bei einigen Farmern eine gewisse Zurückhaltung gegenüber transgenen Sorten. Von einem Rückgang des Gen-Soja-Anbaus kann laut Marcelo Duarte Monteiro, Direktor der Vereinigung der Soja- und Maisproduzenten (Aprosoja) jedoch keine Rede sein. Monteiro: »Gentechnik ist die Tatsache der Zukunft.«

Erst im vergangen Jahr lancierte der größte Soja-Exporteur des Bundesstaates, die Grupo André Maggi (Amaggi), ein Pilotprojekt, um Gen-Soja aus Mato Grosso in Europa hoffähig zu machen. Unter dem Namen »Nachhaltiges Gen-Soja« (Soja transgênica sustentável) hat das Unternehmen soziale und Umwelt-Kriterien für den »nachhaltigen« Anbau der transgenen Sorten entwickelt. Damit sollte kritischen Europäern der Wind aus den Segeln genommen werden. Laut Firmenangaben nehmen bereits die 300 größten der 800 Soja-Zulieferer Amaggis am Programm teil und halten die Kriterien wie den korrekten Einsatz von Pestiziden und das Verbot von Kinder- und Sklavenarbeit ein.

Doch unabhängig davon, ob gentechnisch verändert oder konventionell, die gravierendsten Probleme des Soja-Anbaus sind die dadurch ausgelösten Tropenwaldabholzungen sowie die Vertreibung von Ureinwohnern und Kleinbauern vor allem in der Region des Cerrado. Das sind die Savannen Zentral-Brasiliens. Dieses extrem artenreiche Trockenwaldökosystem ist Hauptopfer der Soja-Expansion.

Exakte Zahlen darüber, wie viel Cerrado bereits abgeholzt ist, gibt es aufgrund mangelnder Forschung nicht. Die Schätzungen reichen von 40 bis 80 Prozent. Jüngste Auswertungen von Satellitendaten legen aber den Schluss nahe, dass allein bis 2002 schon rund 800 000 Quadratkilometer Cerrado vernichtet wurden, so die Berechnungen des Wissenschaftlers Manuel Eduardo Ferreira von der staatlichen Universität von Goiás. Die Bilder zeigen auch, dass die Abholzung weiter voranschreitet Richtung Nord- und Nordostbrasilien. Aufgrund der Soja-Ausbreitung werde künftig vor allem der Cerrado der Bundesstaaten Bahia, Piauí und Maranhão in Mitleidenschaft gezogen. Bis 2050 werde Brasilien weitere 160 000 Quadratkilometer Cerrado verlieren, schätzt Ferreira.

Dass diese Vernichtung von Biodiversität aus Vernunftgründen ein baldiges Ende findet, ist derzeit kaum zu erwarten. Schon gar nicht in Mato Grosso. Denn nach Meinung von Gouverneur Blairo Maggi, könne man einfach keine Landwirtschaft oder Viehzucht ohne Abholzung betreiben. »Dies ist die große Wahrheit«, so Maggi.

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken