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Wachstumsgrenze seltene Elemente

Studie zeigt: Metalle für Hightech werden knapper und lassen sich schlecht recyceln

Gallium, Scandium, Palladium und Yttrium heißen die Werkstoffe der Zukunft. Deren Bedarf steigt stetig, denn für die Photovoltaik, die Meerwasserentsalzung oder die Produktion von Brennstoffzellen und Handys kann man auf die Hightech-Metalle nicht verzichten. Deren Verknappung ist nicht nur absehbar – sie droht auch den Ausbau der Solarenergie zu begrenzen.

Bolivien ist ein rohstoffreiches Land. Silber, Zink und seit einigen Jahren auch Erdgas spielen eine wichtige Rolle in der nationalen Wirtschaftsbilanz. An der Dominanz des Rohstoffsektors wird sich auch wenig ändern, denn das lateinamerikanische Land verfügt über die größten bekannten Vorkommen an Lithium. Lithium? Ja, das Metall ist unverzichtbar für die Produktion von Akkus für Hybrid- und Elektroautos, deren Anzahl weltweit zunehmen dürfte. Das belegt zumindest eine kürzlich veröffentlichte Studie des Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) und des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung.

Die Studie zeichnet ein wenig optimistisches Bild, denn Gallium, Neodym, Indium und Co., auf deren Vorkommen der Run längst begonnen hat, sind selten. Hauptproduzent von Neodym, welches in der Lasertechnik und in besonders starken Permanentmagneten benötigt wird, ist China. Und die pfiffigen Chinesen haben sich bereits Reserven auch in Afrika gesichert. Ein weiteres Beispiel ist Coltan. Aus diesem Erz wird das begehrte Tantal gewonnen, welches man für die Produktion von Mobiltelefonen benötigt. Beim immer wieder aufflammenden Bürgerkrieg in Kongo geht es auch um die Kontrolle der Coltan-Vorkommen.

IZT-Direktor Rolf Kreibich, resümiert, dass es bereits heute eine »bewusste Verknappung durch Spekulation« gebe, obwohl die Lieferverträge für die begehrten Rohstoffe oft langfristigen Charakter haben. Für die Wissenschaftler ust dies ein Alarmsignal, denn schließlich wird sich, so die Studie, der Bedarf nach Stoffen wie Indium, das die Display-Industrie ebenso wie die Photovoltaikbranche verwendet, bis 2030 verdreifachen. Bei Neodym wird er vier Mal so hoch sein, bei Gallium sechs Mal so hoch. Das ist auch deshalb ein Problem, weil diese Metalle oft nur als Nebenprodukt bei der Förderung klassischer Buntmetallerze gefördert werden und später auch nur in geringen Mengen gemeinsam mit anderen Metallen verarbeitet werden, wodurch die Möglichkeiten eines Recyclings sinken.

Allesamt Gründe, weshalb der massenhafte Einsatz bestimmter Rohstoffe laut der Studie unrealistisch ist. So zum Beispiel rechnen die Forscher damit, dass Rohstoffengpässe den Ausbau der Solarenergie schneller begrenzen werden, als uns das lieb ist. Auch ein Grund, weshalb die Wissenschaftler die Gründung einer internationalen Agentur anregen, die für mehr Transparenz beim Rohstoffhandel und für weniger Spekulation sorgen könnte. Bessere Marktregulierung lautet die Anregung der Wissenschaftler, aber am Mangel wird das nichts ändern.


Lexikon - Lithium

Lithium (von griechisch líthos = Stein) ist unter den bei Normalbedingungen festen Elementen das mit der geringsten Dichte. Das Leichtmetall ist wie Natrium und Kalium (ebenfalls in der ersten Hauptgruppe des Periodensystems) extrem reaktionsfreudig und wird schon bei bloßer Anweseneit von Sauerstoff oxidiert. Wegen seinem Platz in der ersten Hauptgruppe hat es das niedrigste »Normalpotenzial« und eignet sich deshalb gut als Anodenmaterial in Batterien. Darüber hinaus werden Lithiumverbindungen als Medikament in der Psychiatrie eingesetzt.

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