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Eine erfolgreiche soziale Bewegung

»Kauft keine Früchte aus Südafrika!« erzählt erstmals die Geschichte der Anti-Apartheid-Bewegung

»Kauft keine Früchte aus Südafrika!« – unter dieser Parole organisierte die Anti-Apartheid-Bewegung (AAB) in den 70er Jahren eine der ersten öffentlichkeitswirksamen Boykottkampagnen. Boykott war damals eine relativ neue Aktionsform, an der sich viele Menschen leicht beteiligen können: Orangen gibt es in jedem Supermarkt. Die Parole lieferte den Historikern Jürgen Bacia und Dorothée Leidig denn auch den Titel für die erste Darstellung der Geschichte der westdeutschen Anti-Apartheid-Bewegung, die 1974 gegründet wurde. Ihr vorrangiges Ziel war es, die Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft und Kirchen mit dem Rassistenregime in Südafrika anzuprangern. Die Bundesrepublik war damals der größte Handelspartner des Landes. Über die Jahre entstand ein Netz aus Kirchen, außerparlamentarischen Gruppen und Initiativen, aber auch aus Parteien und Gewerkschaften. Sie thematisierten die Verbindungen zwischen deutschen Banken und der südafrikanischen Wirtschaft oder auch die militärisch-nukleare und kulturelle Zusammenarbeit.

Die Autoren erzählen chronologisch und minutiös die Ereignisse in und um die AAB nach. Sie haben dafür erstmals Orginalquellen der AAB ausgewertet, die das Archiv für alternatives Schrifttum (afas) in den vergangenen zehn Jahren erschlossen hat. Das in Duisburg ansässige nichtstaatliche Bewegungsarchiv hat 1999 1200 Leitzordner aus der AAB-Bundesgeschäftsstelle übernommen.

Die AAB hatte zwar nur kurze Zeit mehr als 1000 Mitglieder, verfügte aber über einen sehr aktiven, in lokalen Gruppen organisierten Kern. In »Kauft keine Früchte aus Südafrika!« werden die Vielfalt und Streitigkeiten der Befreiungsbewegungen im südlichen Afrika ebenso dargestellt wie der Widerhall, den diese Konflikte in der AAB und anderen Organisationen der internationalistischen Solidaritätsarbeit fanden.

Das Netzwerk wird im politischen Kontext seiner Zeit geschildert – und dazu gehören auch die ermüdenden Debatten um die eigene Linie und mit den Bündnispartnern. Das politische Spektrum der Anti-Apartheid-Aktiven reichte von Kirchen bis hin zu DDR- und Moskautreuen Organisationen – bei dieser Breite waren Konflikte programmiert. Sie sind heute zuweilen schwer nachzuvollziehen und nur noch von historischem Interesse, wie auch das ganze Buch unter einer gewissen Detailverliebtheit leidet, die die Lebenswelt der engagierten Apartheidgegner aber völlig ausblendet.

2001 löste sich die AAB in die Koordination Südliches Afrika (KOSA) hinein auf, einem Dachverband von Nichtregierungsorganisationen. Sie kann als erfolgreiche soziale Bewegung angesehen werden – ihr wichtigstes Anliegen war spätestens mit den freien Wahlen in Südafrika 1994 erreicht.

Jürgen Bacia/Dorothée Leidig: »Kauft keine Früchte aus Südafrika!«. Geschichte der Anti-Apartheid-Bewegung, Brandes und Apsel Verlag 2008, 356 S., 29,90 €.

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