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Mehr Kinder in der Psychiatrie

Kampagne soll helfen, die Bewältigung von Stress zu lernen

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 2 Min.

Die Zahl kleiner Patienten in psychiatrischen Kliniken hat laut Gesundheitsministerin Dagmar Ziegler (SPD) zugenommen. Dabei berief sie sich auf Angaben der fünf Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Drei hätten eine Zunahme der Patienten von 4 bis 10 Jahren vermeldet. Zwei Kliniken hätten von einer geringen Zunahme gesprochen.

Die Gesamtzahl der Behandlungsfälle in der Kinder- und Jugendpsychiatrie lag laut Ziegler im Jahr 2007 bei 1904, im Jahr 2006 bei 1874 und im Jahr 2004 bei 1923. Laut Landeskrankenhausplan stehen konstant 211 kinder- und jugendpsychiatrische Betten bereit. Die Jugendhilfestatistik weist für 2007 aus, dass 468 Kinder und Jugendliche in Obhut genommen wurden. Im Jahr 2004 seien es 501 Betroffene gewesen. Dieser Rückgang steht für die Ministerin im Zusammenhang mit dem Bevölkerungsschwund. Er »lässt keine Rückschlüsse auf eine veränderte Aufnahmepraxis in der Psychiatrie zu«.

Auch für die Unterbringung psychisch kranker Menschen insgesamt muss immer mehr Geld aufgewendet werden. Diese Zunahme hängt nach Schätzungen des Ministeriums jedoch mit dem Älterwerden der Gesellschaft zusammen. Im Jahr 2020 werde zirka ein Viertel der märkischen Bevölkerung 65 Jahre und älter sein. Dies werde wachsende Anforderungen an die Pflege stellen. »Besonders sprunghaft steigt der Anteil hoch betagter und häufig pflegebedürftiger Menschen«, sagt Ziegler.

Als Reaktion auf die gesundheitlichen Probleme bei Kindern wurde eine Kampagne ins Leben gerufen. Den Worten von Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) zufolge soll damit den »erschreckenden Gesundheitswerten« bei Schülern etwas entgegengesetzt werden. Der stellvertretende Landesvorsitzende der AOK, Franz Josef Lünne, wies auf den Zusammenhang von sozialer Herkunft und Gesundheitszustand der Kinder hin. Ziel müsse unter anderem die Fähigkeit sein, Stress zu bewältigen. Bei den jährlichen Schuleingangsuntersuchungen hatte sich zuvor herausgestellt, dass Kinder aus armen Elternhäusern dreimal häufiger an Sprachstörungen leiden als andere Kinder. Wahrnehmungsstörungen liegen bei ihnen fünf Mal häufiger vor. Emotionale und soziale Störungen sogar neun Mal so oft wie bei Kindern finanziell besser gestellter Menschen.

»Kinder können ihre gesundheitliche und soziale Lage weder wählen noch beeinflussen«, erklärt Ziegler. Für ein gesundes Aufwachsen von Kindern seien in erster Linie die Eltern verantwortlich. Erforderlich seien Erleichterungen bei den Anträgen für die Früherkennung. Hier sei die Schwelle für Angehörige bildungsferner Schichten noch zu hoch.

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