Martin Ling, Barcelona 01.07.2009 / Politik

Kataloniens moderner Robin Hood

Bankenraub mal andersrum – der Globalisierungskritiker Enric Duran ertrickste sich fast eine halbe Million Euro an Krediten, um damit linke Projekte zu unterstützen und das System bloßzustellen

Die Bilanz Enric Durans ist beachtlich: 68 Kreditlinien bei 39 Banken und Kaufhäusern wurden ihm binnen gut zweier Jahre bewilligt, 492 000 Euro insgesamt. Sicherheiten: keine – bis auf gefälschte Einkommensnachweise. Für Duran ist das Wiederaneignung von Mitteln, die durch Banken geraubt wurden. Mittel, mit denen er zahllose kleine, finanzschwache, linke Projekte unterstützte. Seit März sitzt Duran als erster Kreditschuldner in Spanien überhaupt in Untersuchungshaft – sonst geht es für das Vergehen schlimmstenfalls nach dem Prozess hinter Gitter.

Enric Duran (unten) erklärt seine »Aktion« gegen das Bankensystem per Videobotschaft auf YouTube.

»Er ist genetisch unfähig, inkonsequent zu sein!« Er, das ist der 33-jährige Enric Duran, seit zehn Jahren in Barcelonas globalisierungskritischer Szene aktiv. Auf diese Beschreibung seiner Persönlichkeit können sich die am Tisch sitzenden Aktivisten einer Unterstützergruppe für Durans Freilassung ohne Umschweife einigen. Duran ist ein Visionär der praktischen Veränderung, frei von Dogmen, aber mit der festen Überzeugung, dass die Welt, wenn sie so bleibt, wie sie ist, nicht bleibt, erzählt Anna.

»Er könnte ein Deutscher sein«

Hartnäckig und beharrlich arbeitet er seit Jahren in verschiedenen Projekten an einer anderen Welt – von Schuldenerlass für die Dritte Welt über Demonstrationen für eine entschleunigte Welt per Wachstumsrücknahme bis hin zu Infozentren wie dem von ihm mitgegründeten Infoespai im Stadtteil Gracia. »Er könnte ein Deutscher sein«, fügt Eduardo halb ernst und halb mit Blick auf die deutsche Leserschaft hinzu, d...

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