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Jennys Nachschlag

Der Lebensweg einer Antifaschistin

Dem vor acht Jahren erschienenen ersten Band ihrer Erinnerungen lässt Gerda Zorn, Jahrgang 1920, nun den zweiten folgen. Hatte sie zunächst von ihrem Leben in der Weimarer Republik, Nazi-Zeit und in der frühen DDR bis Mitte der 50er Jahre erzählt, so berichtet sie nun über ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der Bundesrepublik Deutschland.

Mit ihrem Freund Eule, der ihr einen Heiratsantrag machte, zog Jenny – wie sich Gerda Zorn in ihrer Autobiografie nennt – zunächst nach Kassel. Sie empört sich über die Restauration im Adenauer-Staat und kämpft um die Bewahrung des Erbes des antifaschistischen Kampfes. Jenny und Eule engagieren sich in der linken Bewegung. Die freie Journalistin ist ehrenamtlich in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) tätig, wirkt im Verband deutscher Schriftsteller (VS) und ist zeitweise dessen Vorsitzende in Hamburg. Sie setzt sich dafür ein, dass dieser der IG Medien beitritt. Jenny alias Gerda ist ein aktives Mitglied der Friedensbewegung. Auch in der DDR ist sie bekannt, durch ihre Bücher, die wichtige Beiträge zur kritischen Aufarbeitung der deutschen Vor- und Nachkriegsgeschichte sind. Im zweiten Band ihrer Erinnerungen kann man deren Entstehungsgeschichten nachlesen, was vielfach sehr aufschlussreich ist. 1965 lehnte es beispielsweise Willy Brandt noch ab, ein Vorwort für Gerda Zorns Buch »Stadt im Widerstand« zu schreiben 1980 hingegen erschien »Nach Ostland geht unser Ritt« mit einem Vorwort von Herbert Wehner.

Es ist gut, dass Gerda Zorn Wort gehalten hat. Freunde hatten sie gedrängt, ihre Lebensgeschichte fortzuschreiben. Sie versprach es. Und nun hat es die in Hamburg lebende Jahrhundertzeugin geschafft. Dafür gebührt ihr Dank. Sie selbst versteht ihr Buch als Dank und Erinnerung an all die Menschen, die sie auf ihrem kämpferischen Weg begleitet haben.

Gerda Zorn: Wiederverkehr des Verdrängten. Autobiographische Erinnerungen. Trafo-Verlag, Berlin. 482 S., geb., 34,80 € (beide Bände).

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