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»Die Forderungen des Dalai Lama sind unannehmbar«

Peking: Ja zu Verhandlungen, aber kein Zurück in den Feudalismus

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Der Dalai Lama ist wieder auf Europa-Tournee und wird die Chance nicht auslassen, sich erneut über die seiner Meinung nach antitibetische Politik des chinesischen Staates zu beschweren. Das offizielle China wird dagegenhalten. ND hatte kürzlich in Peking Gelegenheit, einen Vertreter des Staates über die chinesische Tibet-Politik, den Dalai Lama und die Verhandlungen mit dessen Vertretern zu befragen. Mit Dong Yunhu, Generaldirektor im Informationsbüro des Staatsrates, sprach Roland Etzel.

ND: Herr Dong, was bedeutet der Titel »Dalai Lama« eigentlich?
Dong: In Kurzform: Dalai Lama ist einer der höchsten Titel im tibetischen Buddhismus, dem Lamaismus. Der jetzige Dalai Lama, als Lhamo Dhondrub in einer tibetischen Bauernfamilie geboren, wurde bereits im Alter von vier Jahren inthronisiert. Seit 50 Jahren aber ist er im indischen Exil.

Der Dalai Lama sagt, er habe 1959 nach einem Volksaufstand fliehen müssen, der von Peking niedergeschlagen wurde. Sie sagen, die KP Chinas habe damals, zehn Jahre nach Gründung der Volksrepublik, endlich demokratische Reformen nach Tibet gebracht, darunter die Abschaffung der Leibeigenschaft und damit das Ende des Feudalismus. Das sind eigentlich unüberbrückbare Gegensätze. Trotzdem verhandeln Sie mit ihm.
Wir halten die Tür für Verhandlungen offen. So gab es auch im vorigen Jahr drei Verhandlungsrunden, seit 2002 insgesamt neun. Aber das Dalai-Lama-Lager hat die Gespräche inzwischen von sich aus abgebrochen.

Warum?
Sie sagen, Verhandlungen hätten keinen Sinn mehr, und geben uns die Schuld. In der Tat akzeptieren wir einige Dinge grundsätzlich nicht, die sie für sich reklamieren.

Welche wären das?
Die Dalai-Lama-Clique im Exil in Nordindien bezeichnet sich als religiöse und politische Führung Tibets. Das ist eine Anmaßung. Auch früher bedurften die Dalai Lamas in Tibet der Bestätigung durch die jeweiligen chinesischen oder mongolischen Herrscher. Die jetzige Exilführung dagegen ist von niemandem autorisiert.

Diese Statusfrage ließe sich ja doch irgendwie umschiffen.
Dennoch bleiben die Hauptwidersprüche: Der Dalai Lama will über Tibets Zukunft verhandeln – das lehnen wir ab. Die Dalai-Clique erkennt nicht an, dass Tibet ein integraler Bestandteil Chinas ist – das lassen wir aber nicht in Frage stellen. Tibet ist nicht nur Teil Chinas, sondern auch seines sozialistischen Systems. Die Wiedereinsetzung eines politischen Dalai Lama, also die Rückkehr des Feudalismus, ist für uns unakzeptabel.

Überdies gibt es weitere Forderungen der Exilanten. So beanspruchen sie ein größeres Gebiet für Tibet – größer als es vor 50 Jahren war –, weil Tibeter heute in insgesamt fünf chinesischen Provinzen leben. Sie verlangen auch den Rückzug der Armee aus Tibet und sogar aller anderen Ethnien.

Das ist nicht verhandelbar?
Nein, das geht nicht. Der Dalai Lama weigert sich zu akzeptieren, dass die politischen und ökonomischen Realitäten heute andere sind als vor 50 Jahren. Ich möchte aber wiederholen: Die Dalai-Clique ist effektiv nicht in einer Position, über derlei Dinge verhandeln zu können, denn er ist nur religiöser, kein politischer Führer.

Trotzdem hat man den Eindruck, dass der Dalai Lama eine Person mit großem Einfluss ist. Woher rührt seine Stärke?
Er selbst könnte recht wenig tun ohne Unterstützung ausländischer Mächte. Imperialistische Kreise würden Tibet gern von China abtrennen. Deshalb sprechen sie von einem tibetischen Recht auf Selbstbestimmung, einer »tibetischen« oder einer »chinesischen Frage«. Aber ich möchte Ihnen sagen: Die »chinesische Frage« – das ist die Frage der Modernisierung. Die Straße der Selbstbestimmung ist die Straße der Modernisierung.


Buddha, Show und Kommerz

Die gegenwärtige Europa-Reise begann für das geistliche Oberhaupt der buddhistischen Tibeter am Montag in Polen, wo dem 74-Jährigen im Warschauer Königsschloss die Ehrenbürgerschaft der Hauptstadt verliehen wurde. Seit Mittwoch hält sich der Dalai Lama in Deutschland auf, wo er unter anderem mit der Ehrendoktorwürde der Universität Marburg ausgezeichnet werden soll.

Zuvor aber gibt es das sogenannte Dalai-Lama-Festival. Austragungsort der viertägigen Buddhismus-Show ist die Commerzbank-Arena in Frankfurt am Main, wo »Seine Heiligkeit« – so nennt ihn sein Gastgeber, der hessische Ministerpräsident Roland Koch – religiöse Unterweisungen vornehmen wird. Die göttliche Erleuchtung, garniert mit Auftritten von B-Promis wie Ralf Bauer, Roger Cicero und Jana Pallaske, gibt es allerdings nicht gratis. Die vom Lama-Team für das Frankfurter Bundesliga-Stadion angebotenen Karten kosten zwischen 29 und 230 Euro. Deshalb und wegen zahlreicher Basarbuden mit milieugerechten Kleinmöbeln, Kräutern oder Schmuck, die den Buddhismus-Fans absichtsvoll in den Weg zur Tribüne gestellt wurden, ist die religiöse Freude nicht ungetrübt. Kritiker sprechen von einer Kommerzialisierung des Buddhismus. Konnte man in der Commerzbank-Arena wirklich anderes erwarten?

Der Kartenvorverkauf blieb trotz geschalteter Hotline wohl unter den Erwartungen. Keine der Veranstaltungen ist bisher ausverkauft – trotz brutalstmöglicher Aufklärung über den völkerverbindenden Charakter der Beweihräucherung durch seinen Freund Koch.
R.E.

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