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Wiedersehen in Rhode Islands

Vor fünfzig Jahren: das Newport Folk Festival

  • Von Thomas Grossman
  • Lesedauer: 3 Min.

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Etwa 10 000 Fans der amerikanischen Folkmusik werden von heute bis Sonntag in dem kleinen, einst so eleganten und exklusiven Badeort Newport (US-Bundesstaat Rhode Island) zusammenkommen. Im »Fort Adams State Park« der Stadt findet wieder ein »Newport Folk Festival« statt – 50 Jahre nach dem ersten.

Drei Künstler sind dabei, die schon damals mit von der Partie waren: die Queen of Folk Music, Joan Baez, »Amerikas Folksong-Interpretin Nummer 2« (so das Magazin »Esquire«), Judy Collins, und der gerade 90 Jahre alt gewordene führende Folk-Barde Pete Seeger. Aber auch sonst stehen – für Jung und Alt – zugkräftige Künstler auf dem Programm: The Decemberists, Arlo Guthrie, Fleet Foxes, Neko Case, Gillian Welch, Iron & Wine oder Ben Kweller.

Vor 50 Jahren strömten 15 000 junge Leute nach Newport – Gitarren, Banjos und Schlafsäcke im Gepäck (seit 1954 gab es bereits ein Newport Jazz Festival). Dutzende Konzerte waren geplant und Größen wie Pete Seeger, Odetta oder Peter, Paul & Mary mit dabei. Aber besonders beeindruckte in der ersten Nacht – nach Ende der offiziellen Veranstaltungen – eine Sängerin, deren Stimme hoch über dem Gelände zu schweben schien. Noch kannte sie keiner, aber nach zwei Songs (gemeinsam mit Bob Gibson) beim letzten Abendkonzert alle: Joan Baez.

Beim nächsten Festival – im Juni 1960 – war die Schar der Musiker und Zuhörer noch größer. Einer der berühmtesten Bluesmusiker sang seinen »Hobo Blues«: John Lee Hooker. Aber es kamen auch Künstler aus Kanada, Irland oder England. Folkmusik war nun überaus beliebt, sozusagen ganz »heiß« – nicht nur in den USA. Und es war auch die passende Musik zu den stärker werdenden politischen Kämpfen in Amerika.

Zum dritten Festival – nach zweijähriger Pause – Ende Juni 1963, kamen mehr als siebzig Künstler und 37 000 Fans. Neben ausgezeichneten Blues-Musikern waren einige junge Sänger dabei, die mit eigenen Liedern schnell berühmt werden sollten: der Pima-Indianer Peter LaFarge, der die Bedingungen der Ureinwohner anprangerte, Tom Paxton, der politisch scharfe Texte schreiben konnte, Phil Ochs, bald führender Protestsänger und tragischer Held.

Doch vor allem einer hatte hier 1963 seinen nationalen Durchbruch: Bob Dylan. Gemeinsam mit seiner damaligen Freundin Joan Baez sang er seinen erschütternden Song »With God On Our Side« – in neun Strophen werden Kriege der USA aufgezählt, bei denen man immer »Gott auf seiner Seite« hatte. Doch wenn Gott wirklich auf unserer Seite ist, so schließt der Song, dann wird er den nächsten Krieg verhindern.

Bereits beim Festival 1964 hatte Dylan sich verändert. Statt Songs des Protestes und der Anklage sang er nun ein (Anti-)Liebeslied – »It Ain’t Me, Babe« – sowie einen Song voller poetischer Traum-Metaphern – »Mr. Tambourine Man«. Ein Kritiker dazu: »Man kann sich gut vorstellen, was Pete Seeger, der am Rande der Bühne saß, gedacht haben wird, als Dylan ›Ja, zu tanzen unterm Diamantenhimmel und mit einer Hand frei winken‹ sang, statt davon, wie man mit der Hilfe Gottes den nächsten Krieg verhindern kann.« Doch für seinen monumentalen Song »Chimes of Freedom« bekam Dylan schließlich wieder minutenlangen Beifall.

Zwischen 1971 und 1985 gab es kein Festival. Doch seit 1985 findet es wieder jährlich mit durchschnittlich 10 000 Besuchern statt. 2007 kam auch Jakob Dylan, jüngster Sohn von Bob Dylan. Der Kreis schließt sich.

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