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Tarifvertrag im Call-Center

  • Von Henning Stephan Foerster
  • Lesedauer: 2 Min.

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Die Call-Centerbranche zählt nicht zu den Dienstleistungsbereichen mit dem besten Ruf, wenn über Arbeitsbedingungen und Entgelt gesprochen wird. Ursachen sind hohe Flexibiltätsanforderungen, Arbeit auf Abruf, ständige Überwachung und oft unterdurchschnittliche Bezahlung. Ausnahmen stellten bislang nur die Call-Center großer Unternehmen wie Bahn oder Telekom mit Betriebsräten und traditioneller gewerkschaftlicher Anbindung dar. Doch auch dort wächst der Druck, denn Aufträge am Markt erhält nur, wer seine Kosten knallhart kalkuliert.

Mehr als sieben Monate kämpften ver.di und die Beschäftigten des Branchenriesen Walther Services für ihren neuen Entgelttarifvertrag. Nun gibt es eine Einigung, die für branchenunabhängige Call-Center generell richtungsweisend werden kann. Der Vertrag schafft einheitliche Vergütungsstrukturen für rund 8000 Beschäftige an 15 Standorten deutschlandweit. Ver.di konnte die Forderung von 7,50 Euro€ pro Stunde als Grundvergütung für Kundenberater durchsetzten.

Für die Call-Centerbranche besteht nun Hoffnung, dass der Abschluss Signalcharakter trägt und Auswirkung auf eine tarifliche Mindestvergütung in der Branche entfalten kann. Der Abschluss zeigt deutlich, dass Gewerkschaften auch in den neuen Dienstleistungsbereichen die Chance haben, Mitglieder zu organisieren und soziale Mindeststandards durchzusetzen. Um dies auszubauen, kann es helfen, wenn sich Betriebsräte und Gewerkschafter aus Call-Centern, in denen Arbeitnehmervertretungen bereits installiert wurden, mit Kollegen vernetzen, die dies in ihrem Betrieb erst noch durchsetzen müssen.

Folgen andere Unternehmen dem Beispiel von Walther Medien, könnte dies dazu führen, dass sich Call-Center bei der Bewerbung um Aufträge am Markt künftig stärker auf Qualität oder technische Innovation ausrichten müssen, statt sich bei der Kalkulation der Lohnkosten gegenseitig zu unterbieten. Dies wäre ein wichtiger Schritt in Zeiten, in denen die Branche in manchen Regionen Deutschlands zu den größten Arbeitgebern gehört. Allein in Mecklenburg-Vorpommern gibt es laut Branchenverband TMI derzeit ca. 120 Call-Center mit rund 15 500 Beschäftigten.

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