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Minidramen und ungewollte Babys

Sommerliche Improvisations-Shows mit »Turbine William« im Amphitheater

Die Musiker Peter Heimerl und Sjan sehen sich an. Nein, noch nicht, bedeutet einer dem anderen. Aufmerksam verfolgen sie das Spiel der Komödianten und wollen einen guten Moment für ihre Livemusik wählen, denn dann müssen die Mimen singend weiterspielen. Gerade wird ein »Mini-Tatort« gegeben. Es ist schließlich Sonntagabend. Da kommt das Improvisationstheater »Turbine William wie die Birne« auch nicht am normalen Leben vorbei.

Vorgegeben für die Handlung hat das Publikum die Stichworte Erdöl, Schwimmbad, Korruption – alles in Sibirien. Dort ansässig sind ein Großvater, eine Adoptivtochter, eine Schwiegermutter und ein ungewolltes Baby. Wie spielt man ein ungewolltes Baby? Christof Duero kriegt das hin. Er wechselt auch mal schnell zu anderen Wesen – wird zu Rind oder Hund. Kein Problem. Spielleiter Roger Jahnke gibt sich streng und greift ein, wenn er meint, die Spannung in dem Kurzkrimi oder in den anderen Minidramen lasse nach. Er fordert das Publikum heraus, ihm Vorschläge zu unterschiedlichsten Themen zuzurufen. Daraus entsteht ein nächstes Stück – beispielsweise zur Schwimm-WM in Rom mit einem großem Becken vorm Vatikan und einem immer siegenden Russen. Auch ein Orakel kann von den Zuschauern befragt werden. Und vielleicht tippt ja der eine oder andere der Theaterbesucher die Zahlen im Lotto, die da für einen Gewinn am folgenden Mittwoch vorausgesagt werden. Wer weiß.

Seit fünf Jahren schon gehören die Improvisationstheatershows von »Turbine William« zum sommerlichen Spektakel des Hexenkessel-Hoftheaters im Monbijoupark. Sie kommen zusätzlich ins Spiel, wenn die festen Produktionen im Amphitheater angelaufen sind. Das sind momentan »Mirandolina« von Goldoni, »Der Sturm« nach Shakespeare (beides bis 5.9.) und als Gastspiel Molières »George Dandin oder der bestürzte Ehemann« der berlinisch-römischen Truppe Lazzo Mortale (bis 30.8.).

In diesem Jahr sind elf Schauspieler an den Improshows beteiligt. Sie spielen abwechselnd zu viert, zu fünft. Einige gehören zum Hexenkessel-Ensemble, andere gesellten sich dazu. Bei der jüngsten zweistündigen Vorstellung mit kurzer Pause waren außer Christof Duero Kristin Giertler, Martina Pietsch und Thomas Kornmann gefordert. Die Männer hatten an diesem Abend die witzigsten Ideen und ergänzten sich auch am besten. Beispielswiese in den Szenen, wo der eine mimen musste, was der andere sprach. Aber auf ihren Lorbeeren können sie sich deshalb nicht ausruhen. Daraus wird nichts. Das kann bei der nächsten Improvistionstheatershow wieder ganz anders sein. Versprochen.

Denn hier sind jedes Mal »unwiederbringliche Szenen von einmaliger Größe« angekündigt. So ist jeder Impro-Abend ein kleines Wagnis für die Schauspieler, die sich in Sekunden auf verschiedenste Situation einstellen und ihr Können beweisen müssen. Das Publikum wird kaum ermessen können, wie viel Stresshormone da ausgeschüttet werden. Soll es ja auch nicht. Es wird mit Freude begrüßt, soll seinen Spaß bekommen und kann sich ja mit Applaus bedanken, wenn's ihm gefällt. Auch darauf stellen sich Schauspieler schließlich gern ein.

Improvisationsshows bis 5.9., sonntags, 19.30 Uhr, Amphitheater des Hexenkessel-Hoftheaters, Monbijoupark, Monbijoustraße, Mitte, Karten-Tel.: 47 99 74 41. Weiteres Programm unter www.amphitheater-berlin.de

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