Irina Wolkowa, Moskau 22.08.2009 / Kultur

Der blinde Virtuose an der Metro-Station

Noch keine russische Partei hat die Behinderten als Zielgruppe bei Wahlen entdeckt. Dabei würde es sich lohnen: Es sind 13 Millionen

Wladimir spielt fürs Überleben.

Der Text der »Moldowanka« ist leicht angestaubt, die Melodie hat die Wirkung einer Droge. Die 1944 aufgearbeitete Volksweise treibt Zuhörern bis heute Gänsehaut über den Rücken und Musikern Schweißperlen auf die Stirn. Die Schussfahrt durch zwei Oktaven ist selbst für Könner ein Härtetest und das Tempo mörderisch: Die Geschichte des schlanken, dunkeläugigen Partisanen-Mädchens aus dem sonnigen Moldawien wird vor allem in Sechzehntel-Noten erzählt, dem Akkordeon-Spieler dabei schier Unmögliches abverlangt.

Straßenmusikanten lassen daher gewöhnlich die Finger von der »Moldowanka«. Wladimir Bodnja macht vor allem mit ihr sein Geld. Abends vor der Metrostation Molodjoshnaja im Moskauer Westen, wo zur Spitzenzeit alle 30 Sekunden ein Zug einfährt und seine Fracht ausspuckt. Wie angewurzelt bleiben die Menschen stehen und scharen sich im Halbkreis um den alten Mann, der draußen vor dem Ausgang der Station spielt. Mit traumwandlerischer Siche...

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