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Irak rätselt über die Attentäter

Mehrere Bekenntnisse zu den Anschlägen

  • Von Karin Leukefeld
  • Lesedauer: 3 Min.
Der irakische Arm des Terrornetzwerks Al Quaida hat sich zu den schweren Bombenanschlägen in Bagdad bekannt. Die irakischen Ermittlungsbehörden ermittelten in eine andere Richtung und präsentierten den angeblich Hauptschuldigen: Wissam Ali Kadhem Ibrahim.

An Bekenntnissen zu den blutigen Attentaten vom Mittwoch vergangener Woche fehlt es nicht. Am Dienstag erklärte die Gruppe Islamischer Staat in Irak auf einer islamistischen Website, der Doppelanschlag habe darauf abgezielt, »Bastionen des Unglaubens« zu zerstören. Daher hätten die Attentäter die Ministerien für Auswärtige Angelegenheiten, Finanzen und Verteidigung sowie den Sitz der Provinzregierung in Bagdad ins Visier genommen.

Die irakischen Behörden hatten schon am Sonntag ihren Täter vorgestellt: Wissam Ali Kadhem Ibrahim. Der 57-Jährige erklärte vor laufender Kamera, wie es zu dem Anschlag auf das Finanzministerium gekommen sein soll, bei dem 30 der insgesamt 100 Menschen am 19. August getötet worden waren. Ibrahim gab in dem auf einer Pressekonferenz in Bagdad vorgeführten Video zu, die Anschläge geplant zu haben. 10 000 US-Dollar seien an Schmiergeld an Sicherheitskräfte gezahlt worden, damit sie die Lastwagenbombe(n) unbehelligt passieren ließen. Wissam Ali Kadhem sei »Gefolgsmann von Saddam Hussein« hieß es weiter, sein »Boss von der Baathpartei Sattam Farhan« lebe in Syrien.

Unter Saddam Hussein war Ibrahim nach eigenen Angaben bis 1995 Polizeichef in der Provinz Diyala. Kurz vor der Invasion 2003 wurde er Leiter der regionalen Baathpartei, die seit dem Sturz von Saddam Hussein verboten ist. Vor einem Monat nun sei er von Farhan telefonisch beauftragt worden, eine »Operation durchzuführen, um das Regime zu destabilisieren.« Eine seiner Kontaktpersonen habe dafür gesorgt, dass der mit Sprengstoff präparierte Lastwagen unbehelligt zum Ministerium gelangte.

Ibrahim sei der Hauptschuldige für die Angriffe, erklärte Generalmajor Kassim Atta bei der Pressevorführung offensichtlich stolz, so schnell nach den Anschlägen erklären zu können, wie die scharfen Sicherheitsvorkehrungen vor den Ministerien durchbrochen werden konnten. Außer Ibrahim wurden zehn weitere Männer aus dem Sicherheitsapparat verhaftet.

Menschenrechtsorganisationen und die UN-Vertretung in Bagdad hatten bei früheren Video-»Geständnissen« diese kritisiert und Zweifel geäußert, wie die Aussagen zustande gekommen waren. Gefangene berichten immer wieder von Drohungen, Schlägen und Folter in irakischen Polizeiwachen und Gefängnissen, um »Geständnisse« zu erpressen.

Tatsächlich gehen die Meinungen über die Urheberschaft der Anschläge weit auseinander. Die Anschläge seien generalstabsmäßig durchgeführt worden, erklärte Saad al-Muttalibi vom Ministerium für Nationalen Dialog im Gespräch mit dem Nachrichtensender Al Dschasira, das sei »Staatsterrorismus«. Getroffen werden sollte die Regierung von Nuri al-Maliki, die gerade damit begonnen hatte, Mauern in Bagdad abzutragen um zu zeigen, wie sicher die irakische Hauptstadt ist. Der Gouverneur von Bagdad mutmaßte, sunnitische Parlamentsabgeordnete seien verantwortlich und Saudi-Arabien habe das finanziert. Andere sehen in Iran den Schuldigen. Auf jeden Fall werde man aus Sicherheitsgründen den Abbau der Mauern stoppen, erklärte Gouverneur Salah Abdul Razzak: »Wir müssen unsere Sicherheitsstrategie überprüfen.«

Unabhängig vom Al-Qaida-Bekenntnis beorderte Bagdad am Dienstag den irakischen Botschafter aus Syrien zu Konsultationen zurück. Irak verlange von Syrien die Auslieferung von zwei Mitgliedern der Baathpartei, die den Anschlag befohlen haben sollen. Die Baathpartei besteht in Syrien weiter.

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