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Kochen aus Lust & Kochen aus Frust

Julie & Julia von Nora Ephron

  • Von Alexandra Exter
  • Lesedauer: 3 Min.

Julia kocht, weil sie das Essen und ihr Leben liebt. Julie kocht, weil sie Job und Wohnort hasst, nie richtig was zu Ende gebracht hat und trotzdem bald dreißig wird. Beide kochen, weil sie eine Beschäftigung suchen, die die Leere ihrer Tage füllt. »Julie & Julia« ist ein Film von Nora Ephron, der Queen der gehobenen US-Liebeskomödie. Aber »Julie & Julia« ist kein Film über den Beginn einer heterosexuellen Beziehung, sondern über das Verhältnis zweier höchst unterschiedlicher Frauen zu ihren Ehemännern – und zum Essen. Beide, Julie und Julia, sind Amerikanerinnen, beide zum Zeitpunkt der Handlung glücklich in ihrer Ehe. Aber beide haben auch erlebt, wie leer das eigene Leben wird, wenn man nicht oder nur jobbend arbeitet und der eheliche Wohnort sich nach den Anforderungen des Partners richtet.

Julia Child war eine höhere Tochter aus Kalifornien und mit einem US-Diplomaten verheiratet, mit dem sie 1949 nach Paris zog. Eine glückliche Fügung, wie sich herausstellte, denn weil für Diplomatengattinnen akzeptable Freizeitfüller wie das Bridge-Spielen oder Modellieren von Hüten ihr nicht sonderlich lagen, machte Child ihre Lieblingsbeschäftigung zu ihrem Lebensinhalt, das gute, das ausgiebige und vor allem: das französische Essen. Und ging im Kochkurs einer renommierten Pariser Kochschule in die Lehre, der auf die Weiterbildung von ausgemusterten GIs zu Profiköchen ausgerichtet war.

Als ihr Mann, einer früheren Verwendung in China wegen während der Kommunistenhetze des McCarthy-Klüngels politisch in Ungnade gefallen, von Paris wegversetzt wurde, hielt sie das Gelernte schriftlich fest. Und fand, etliche Koautoren, verlegerische Sackgassen und sonstige Neustarts später, in den USA einen Verlag, der aus ihrem französischen Kochbuch 1961 einen Bestseller machte. 1963 folgte ihre erste Kochshow. Und so entdeckte die amerikanische Hausfrau zeitgleich mit Fertigsuppen, Backmischungen und Instantnudeln auch die buttertriefende französische Küche der Zeit vor der Nouvelle Cuisine.

Julie Powell hatte mit Julia Child außer der Nationalität nicht viel gemein, als sie im Sommer 2002 beschloss, ihrem Büromäuschenleben im Umfeld der bürokratischen Folgen von 9/11 mit einem Jahresplan für den Feierabend ein bisschen Farbe zu geben. Childs bahnbrechendes Kochbuch wollte sie nachkochen, von der ersten bis zur letzten Seite, alle 524 Rezepte in nur einem Jahr. Und anschließend jeden Abend einer anonymen Leserschaft im Internet über ihre Kocherlebnisse berichten, in einer noch ganz neuen Form digitaler Wegwerfliteratur: einem Blog. Aus dem später erst ein Buch wurde und schließlich die eine Hälfte dieses Films. Seine problematische Hälfte.

Denn auch die gern als große Hoffnung des amerikanischen Films gehandelte Amy Adams (»Verwünscht«, »Sunshine Cleaning«) kann dieser ziellosen jungen Frau auf ihrem Pendelweg zwischen Bürokabuff und stadträndiger Rumpelbude nicht genug Persönlichkeit verleihen, dass sie als Gegengewicht zu dem gefundenen Fressen dienen könnte, das die Rolle der Julia Child für Meryl Streep darstellt. Die zierliche Streep spielt die großgewachsene (und deutlich jüngere) Child als sinnenfrohe, willensstarke, dabei durchaus exzentrische Naive auf Entdeckungsreise, die Perlenkette auch am Herd immer um den Hals, mit allen ihren sprachlichen, gestischen und mimischen Manierismen einschließlich der leicht ungelenken, immer irgendwie fragenden und stets etwas zu jugendlichen Bewegungen einer sehr großen Frau.

Ein wunderbar weltmännischer Stanley Tucci als Julias Ehemann und der vergleichsweise blasse Chris Messina als der Julies vervollständigen die Versuchsanordnung in zwei Küchen, fünfzig Jahre und einen Kontinent voneinander getrennt. Aber während man von Julia & Rezepten gerne mehr sehen würde, werden Julie & Blog recht schnell langweilig.

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