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Der Klang der Giganten

Im Admiralspalast lassen die acht Performer von »Stomp« die Tonnen tanzen

  • Von Volkmar Draeger
  • Lesedauer: 3 Min.

Der Bühnenaufbau ist gigantisch. Genügte den Ur-Stompers die Fläche unter den Füßen für ihre Rhythmusexperimente, so hat sich die Ebene nun zur Rückwand aufgerichtet. Eingearbeitet sind auf zwei Etagen Gegenstände, die man als ausgelutschten Müll fortwirft. Sobald die Akteure das Gerüst erklettern, werden die Tonnen, Büchsen, Deckel mit Händen oder Klöppeln zu Klang. Das ist das Konzept von »Stomp«, 1991 in Edinburgh vorgestellt, seither eine Erfolgsgeschichte rund um den Globus.

Worauf die zwei ausgeflippten Musiker Luke Cresswell und Steve McNichols damals per Zufall und aus Geldnot kamen – Rhythmus mit Abfall zu erzeugen –, das tourt heute parallel in mehreren Shows durch die Kontinente, läuft mit der amerikanischen Truppe seit 15 Jahren ununterbrochen in einem New Yorker Theater. Rund 100 speziell geschulte Percussionisten diverser Generation bilden den Pool, aus dem die Regisseure ihre Mannschaft rekrutieren. Über Auditions werden neue Talente gewonnen, zu denen auch eine Deutsche gehört: Sarah Lasaki, Hamburger Ex-Ballettelevin, dann Eiskunstläuferin, erfahren in Modern Dance, Jazz, Afro, HipHop, Flamenco, seit 2008 Stomperin aus Berufung. Im Oktett der Akteure hat sie nun ihren Platz, wie jedem ein definierter Charakter zufällt. So erlebt man »Stomp« beim Gastspiel am Admiralspalast in bewährter Qualität und dennoch neu.

Bewährt etwa ist der Beginn. Ein Mann, muskelbepackter Irokese mit Tattoos, fegt die Bühne: Aus diesem Geräusch, Holzschlag und Fußstampfer, wird Rhythmus. Als seine Kumpels hinzukommen, lässige Typen in Arbeitsschuhwerk, dampft die Szene. Mit zwei Besenstielen und Hackenklacks erzeugt einer so differenziert leise Triller wie beim Flamenco. Streichholzschachteln dienen dann der Kommunikation, auch sie Markenzeichen der Truppe, ehe der Irokese nach einem Solo dem Saal eigene Klatschrhythmen entlockt. Wie wortlos und witzig das funktioniert und abendlang abrufbar bleibt, ist hohe Schule des Entertainments. Die Komik fällt indes einem anderen Barden zu, einem Schmächtigen mit krummem Rücken, der gegen alle steht, immer etwas anderes will oder zu spät erscheint, aber oft die zündenden Ideen einbringt.

Woraus nicht alles Rhythmus zu ziehen ist: Rutschklang ergibt sich auf Sand, Handfeger und Schaufel eignen sich, verschieden lange Rohre bieten gar so etwas wie eine Melodie, und alten Küchenspülen mit Geschirrablage lässt sich waschbrettartiges Rubbeln entlocken. Dass die streng durchinszenierte Show viel Humor einbaut wie Entleeren der Spülen in Eimer, macht sie so locker, wie die Fans es lieben. Ihre Kulttypen jonglieren mit Eimern und Büchsen, produzieren mit Holzstangen Schwellungen vom leisen Schwirren bis zu Schlaglärm, baumeln am Gerüst und dreschen mit weitem Radius schwingend auf alles ein, was der Wand Struktur gibt. Unten werden metallene Klappstühle und amerikanische Feuerzeuge zu Rhythmusgeneratoren, Zeitungen zu Raschelinstrumenten, Krokodilmäulern, Flügeln.

Spektakulär sind die wie Krinolinen umgeschnallten Gummireifen, die dumpf wie japanische Riesentrommeln dröhnen, blaue Tonnen, denen Töpfe und Pfannen Obertöne beimischen. Nach klirrendem Gang der Giganten auf Ölfässern entfesselt die glorreiche Acht mit Deckeln eine Klangorgie der Tonlagen und Schattierungen. Da hält es die Zuschauer kaum mehr auf ihren Plätzen.

Bis 27.9., Admiralspalast, Friedrichstr. 101, Mitte.

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