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Abbruch und Aufbruch, Freiheit und Frust

Vier Stunden »Das Ende der DDR« von »Spiegel TV«:

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: 2 Min.

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Alberto Giacometti: Drei schreitende Männer, Bronze, 65 x 40 x 40 cm
Alberto Giacometti: Drei schreitende Männer, Bronze, 65 x 40 x 40 cm

Das Ende der DDR – vom Mauerfall bis zur Wiedervereinigung«, der sehenswerte vierstündige Film von »Spiegel TV« Samstag auf Vox (von Kathrin Sänger und Thomas Schafer): Enthüllungen, Entblößungen, Entfesselungen, Enttäuschungen. Vom »Wir kommen wieder!« am 9. November bis zum »Wir sind ein Volk!« Geschichte als Masse von Augenblicken, die gegen das Bild einer planbaren Welt marschiert. Als habe im Herbst 1989 das Chaos, des Schöpfens wunderlicher Kumpan, ein für allemal klärend, so gebieterisch wie heiter, auf runde und kantige Tische geschlagen: Wirklich vorhersehbar ist nur, dass die Idee von der Gesetzmäßigkeit der Geschichte eine mäßig gute Idee bleibt …

Absuchen eines Films – vor Wochen lief bereits »Der letzte Sommer der DDR« – nach berührenden Bildern zwischen Freiheit und freiem Fall. Die sanfte Szene, da Volkspolizisten, während das Land brodelt, einen Schwan zurückbefördern in die Spree. Der Blick in die Grenztruppen-Gesichter in der Nacht des 9. November: ohnmächtige Militärs; Gesichter, darin ein Leiden an der Situation sich nach innen verzieht. Fürs andere Antlitz: bis an die still lächelnden Zähne sich zu bewaffnen mit Einverständnis. Seltene soldatische Kultur, über Menschen gekommen wie ein Befehl zu etwas, das man nicht befehlen kann. Aber auch dies: Bilder vom Geruchsproben-Archiv der Stasi. Einweckgläser als Waffe gegen das Volk. »Es beschämt mich«, es war »meine Partei«, die das tat (Petra Pau).

Erschütternd auch die Szenen mit Kindern, die von ihren westfreiheitsgierigen Eltern kalt in der DDR zurückgelassen werden. Freiheit, die Charakterprüfung. Dann die böse Arroganz Westdeutscher, wie sie ostdeutschen Besitz zurückfordern. Streit auf einem Liegenschaftsamt. Matthias Platzeck erzählt von ostdeutscher Lust auf eine neue Verfassung – der genervte Entwicklungshelfer Schäuble sinngemäß: Ach, Kinder, nun ist's aber gut! Direkt vor DDR-Toresschluss: Ablösung an der Neuen Wache. Der letzte DDR-Verteidigungsminister hatte den Stechschritt abgeschafft. Seine Wachsoldaten ignorieren's preußisch treu. So exerzieren sie aufs neugierig drängende Volk zu, dass – noch einmal – zurückweichen muss. Witzige, kecke Nostalgiesekunde der geschwundenen Macht.

3. Oktober 1990, Brandenburger Tor, Reichstag. »Freude ja, aber ohne Götterfunken … Meldung ans Grundgesetz: Auftrag erfüllt! Den Rest erledigen Wirtschaft und notfalls das Arbeitsamt.«

Berichte aus unglaublicher Zeit, als sich den Deutschen Abbruch und Aufbruch, Freiheit und Frust zu einem Zustand ballten, der weit leichter erlebbar war, als sich seiner – bis heute – klar zu werden. Viel lief falsch? Monika Maron: »Wenn diese Fehler nicht gemacht worden wären, hätte man andere gemacht.«

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