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Cameron und die Dragoner von St Peter's Field

Konservative bereiten neue Säbelhiebe gegen die Briten vor

  • Von Ian King, London
  • Lesedauer: 3 Min.

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Der Vorsitzende der britischen Konservativen, David Cameron, ist »bereit« für eine baldige Regierungsübernahme in Großbritannien. In einer Rede des Oppositionsführers am Donnerstag zum Abschluss des Parteitages der Tories in Manchester werden die Schwerpunkte beschrieben, die eine Regierung unter seiner Führung setzen würde. Er erneuerte zudem sein Versprechen, die Briten nachträglich über den EU-Reformvertrag von Lissabon votieren zu lassen.

Das Tagungszentrum Manchester Central steht auf historischem Boden. Vor 190 Jahren wurden friedliche Arbeiter und Bürger, die in St Peter's Fields für das Wahlrecht demonstrierten, von Dragonern niedergesäbelt, fünfzehn der Entrechteten starben.

2009 wählten Camerons Konservative diesen Ort für den letzten Parteitag vor der Parlamentswahl 2010. Sie verkündeten die Rente mit 66, einen Lohnstopp im öffentlichen Dienst, wenn sie an die Macht kämen. Kann dieser zweite Säbelhieb ins Gesicht des Volkes zum Sieg führen? In den Umfragen liegen die Konservativen weit vor der regierenden Labour-Partei von Premierminister Gordon Brown. Neuwahlen des britischen Unterhauses stehen im Frühjahr an.

»Dave« Cameron – der kumpelhafte Vorname soll seine reiche Herkunft vergessen machen – wollte auf leisen Sohlen zur Macht schleichen. Er gibt sich jungenhaft, kontaktfreudig, umweltbewusst. »Mit einem silbernen Löffel im Mund geboren«, sagt der Volksmund über die soziale Schicht, der Cameron und sein Finanzsprecher George Osborne entstammen; beide glauben an ihr gottgegebenes Recht, die Macht übertragen zu bekommen. Eine nach Irak-Krieg und Wirtschaftskrise erschöpfte Labour-Regierung machte es den Tories leicht.

So wurden Osborne und seine Hintermänner arrogant, kündigten das Ende von Labour-Programmen an, die den Weg in die Arbeitswelt erleichtern sollten, verkündeten frohgemut die Rente mit 66, Tendenz steigend. Als Anreiz zur Arbeit? Jobs gibt's in der Krise auch für Jüngere nicht, auch die Tories können sie nicht aus dem Hut zaubern. Labour riskiere ein zu hohes Defizit, so Osborne, schmerzhafte Streichungen müssten her.

David Blanchflower, angesehener Volkswirt und Berater der Bank of England, meint dagegen, Osbornes Politik würde zu fünf Millionen Arbeitslosen führen. Man hat den Eindruck, dass Osborne darauf brennt, das unter Margaret Thatcher lädierte soziale Netz in Stücke zu zerreißen. Wer nimmt ihm das Versprechen ab, die Niedrigverdiener im öffentlichen Dienst verschonen zu wollen?

Nur eine Gruppe wollen die Tories wirklich hochpäppeln: die Militärs. Vielleicht kann »Dave« die Nachfahren der Dragoner irgendwann brauchen. Den früheren Armeechef und Labour-Kritiker Sir Richard Dannatt will der Tory-Chef als Belohnung gleich zum Lord machen.

Seit Monaten zeichnet sich eine Labour-Niederlage aus, aber der Tory-Sieg ist noch nicht in trockenen Tüchern. Camerons Kollegen haben es nicht geschafft, sich als pflegeleichte »New Tories« auszugeben, sondern fetzen sich seit eh und je über Europa. Die stattliche Anzahl von Kleinparteien – Liberale, Nationalisten und Nordiren aller Schattierungen – führt dazu, dass etwa zehn Prozent der Labour-Wähler von 2005 zu den Konservativen direkt überlaufen müssen, um diesen eine Mehrheit der Unterhausmandate zu verschaffen. So musste Cameron weniger an die Uberzeugten im Saal appellieren als an die Unschlüssigen im Lande. Eine ungemütliche, steile Klettertour versprach er, aber die Aussicht vom Gipfel würde schön sein.

»Ich bin bereit«, erklärte Cameron, versprach ein Kriegskabinett, das den Sieg nicht nur in Kensington, sondern auch in Kandahar erreichen soll. Tosender Applaus für die kämpfenden Truppen. »Familie, Gemeinschaft, Land – daran glaube ich.« Jawohl, wer ist dagegen. Aber Schulden kürzen und die Armen schonen – das wird der Eton-Zögling nicht können.

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